Achtjähriger wird heute in Hamburg operiert

Odyssee durch Salzwedeler Notaufnahme

Der Arm des achtjährigen Luis Nowak nach dem Fahrradunfall. Heute wird er in Hamburg operiert.
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Der Arm des achtjährigen Luis Nowak nach dem Fahrradunfall. Heute wird er in Hamburg operiert.

Salzwedel – Mittwoch, 1. Juli, gegen 15. 30 Uhr: Die Arztpraxen in Salzwedel sind geschlossen. André Nowak aus Groß Chüden eilt mit seinem achtjährigen Sohn Luis in die Notaufnahme des Altmark-Klinikums.

Der Junge war beim Spielen mit seinem Fahrrad gegen einen Baum gefahren und hatte sich den rechten Arm verletzt. Der Vater vermutet einen Bruch.

In der Notaufnahme habe ihm eine Schwester mitgeteilt, dass er warten müsse. Wie lange, könne sie nicht sagen, da der noch anwesende Arzt, der einige Papiere ausfüllte, zu einer OP müsse, berichtet André Nowak. Er macht sich Sorgen um sein Kind. Der Junge weint. „Das kommt selten bei ihm vor.“ Der Vater will nicht mehr auf unbestimmte Zeit auf einen Arzt warten. 20 Minuten sind bereits vergangen. Er telefoniert mit dem Krankenhaus in Dannenberg. Nach einem Okay von dort fährt er mit seinem Sohn dorthin.

Der Arzt, der in Salzwedel in der Notaufnahme über den Papieren saß, hätte ja mal schnell nachsehen können, Röntgen und weitere Behandlungen anordnen können. Zumal zu diesem Zeitpunkt kein weiterer Patient in der Notaufnahme gewesen sei, ist André Nowak sauer. „Ich arbeite selbst in einem Pflegeberuf. So etwas könnte ich mit meiner Berufsehre nicht vereinbaren“, kommentiert André Nowak.

Das Salzwedeler Klinikum hätte ihn mit seinem Sohn auch von sich aus nach Gardelegen oder Dannenberg vermitteln können, wenn kein Arzt verfügbar gewesen wäre, meint Nowak.

„Herr Nowak muss mit seinem Sohn nur kurz in unserer Notaufnahme gewesen sein. Es ist noch nicht einmal zu einer ordentlichen Erfassung der Patientendaten gekommen. Somit können wir leider keine Aussagen über Wartezeit, die Verletzungen oder den weiteren Behandlungsprozess tätigen“, antwortete Ivonne Bolle, Pressesprecherin des Altmark-Klinikums, nach Rücksprache mit der Salus-Geschäftsleitung in Magdeburg. Und weiter: Am 1. Juli seien von 14 bis 17 Uhr neun Patienten in der Notaufnahme behandelt worden.

In Dannenberg ist Luis Nowak in der Notaufnahme gleich drangekommen. Nach einer Stunde war die Behandlung beendet. Der Arm war geschient worden. Eine CD mit den Röntgenbildern bekommt der junge Patient mit. Diagnose: keine Fraktur.

Am Folgetag kann die CD bei der Chirurgin im Salzwedeler Ärztehaus nicht ausgelesen werden. Das übernimmt das Altmark-Klinikum. Mittwoch kann die Chirurgin auch keine Fraktur erkennen und schickt Luis Nowak in die Notaufnahme des Altmark-Klinikums. Inzwischen ist eine Woche vergangen. In der Notaufnahme bekommt der Achtjährige einen Arztbrief – mit Fraktur. Er solle die Schiene noch eine Woche lang tragen und sich dann erneut bei einem Arzt vorstellen. Mittwochabend ruft der zuständige Oberarzt aus dem Altmark-Klinikum bei den Nowaks an und sagt, es sei doch keine Fraktur.

Gestern früh schellt erneut das Telefon in Groß Chüden. Es ist wieder der Oberarzt vom Altmark-Klinikum. Luis wird in die Kinderchirurgie nach Hamburg-Altona überwiesen. Seine Mutter fährt sofort mit ihm los. Die dortigen Spezialisten hatten auf den Röntgenbildern aus Salzwedel einen abgesplitterten Knochen entdeckt, der mit einer Schraube wieder fixiert werden muss. Heute wird Luis Nowak in Altona operiert. Der einzig positive Lichtblick in dieser Odyssee ist für Vater André und Mutter Gaby die Überweisung von Salzwedel nach Hamburg, die das Altmark-Klinikum nach einer Woche veranlasst hatte. VON HOLGER BENECKE

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