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Oberst fotografiert

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Museumsleiter Ulrich Kalmbach zeigt ein Bild von Clara Oberst vor den ersten Ausstellungsstücken, die bereits aufgebaut sind.

Salzwedel - Von Holger Benecke . „Oberst fotografiert seit 1880 in Salzwedel“ – das ist ein alter Werbeslogan und genauso ist die neue Ausstellung im Danneil-Museum überschrieben, die Museumschef Ulrich Kalmbach gerade vorbereitet.

Es geht um die Lichtbildner-Dynastie Oberst in Salzwedel. Begonnen hat alles mit Rudolf Oberst (1856-1933). Er kam aus dem Vogtland, wo er bereits den Beruf des Fotografen gelernt hatte, Ende der 1870er Jahre nach Salzwedel und arbeitete zunächst bei einem anderen Fotografenmeister bis er 1880 sein eigenes Geschäft eröffnete. Und zwar im Haus Vor dem Lüchower Tor 6 unmittelbar neben dem Gymnasium. Einige Jahre später verlegte er sein Atelier an die Breite Straße 8 – heute Foto Wiedemann.

Zwei Kinder von Rudolf Oberst – Paul (1891-1955) und Clara (1888-1981) wurden ebenfalls Fotografen. Paul Oberst‘ Sohn, der 1924 geborene Rolf Oberst, folgte ebenfalls seinem Vater. Bis 1991 hatte der Meister sein Atelier an der Burgstraße. Wiederum zwei seiner Kinder traten in seine Fußstapfen: Klaus Oberst ist Pressefotograf in Berlin und Karla Fritze, geb. Oberst agiert an der Potsdamer Universität im Medienbereich. Beide sind Fotografenmeister.

In Salzwedel arbeiteten zeitweise drei Oberst‘ als Fotografen. Die vier Genartionen der Familie warean aber auch eines: Bildchronisten ihrer Zeit. Eines der wohl bekanntesten Oberst-Bilder stammt von Stammvater Rudolf: Es ist das Bild kurz nach dem Rathausbrand 1895. Das älteste bekannte Bild von ihm ist ein Porträt von 1891. Dieses ist in einem der damals üblichen, aus einzelnen Porträts zusammenmontierte großen Gruppenbildern, zu finden. Es zeigt die jungen Kaufleute der Hansestadt Salzwedel, vergleichbar mit den heutigen Wirschaftsjunioren.

Von Clara Oberst, die bis 1964 im heutigen Wiedemann‘schen Atelier an der Breiten Straße wirkte, existieren nur noch sehr wenige Fotos. Da sie jedoch als eine exellente Lichtbildnerin und für Porträts die erste Adresse in Salzwedel war, sind ihre Werke vermutlich in Privatbesitz zu finden, hofft Ulrich Kalmbach. Der Museumsdirektor ruft die Salzwedeler auf, die Oberst-Ausstellung zu unterstützen und bittet um Leihgaben dafür. Das Problem: Carla Oberst hat viele ihre Werke weiterhin mit dem Stempel ihre Vaters Rudolf Oberst versehen. Nichtsdestotrotz hofft der Museumleiter auf Unterstützung. Wer noch ein Oberst-Bild hat, sollte sich bei Ulrich Kalmbach melden: Tel. (0 39 01) 42 33 80.

Die Ausstellung selbst, die neben Bildern auch Alben, historische Fotoapparate wie Plattenkameras und jede Menge Atelier-Zubehör zeigt, wird am Sonntag 15. Mai um 11 Uhr in der Propstei feierlich eröffnet – genau am internationalen Museumstag. „Oberst fotografiert“ ist von da ab bis zum November im Danneil-Museum zu sehen.

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