„Autobahn umgeleitet?“

Oberkommissar Peter Klahs aus Salzwedel: Die Weiße Maus geht in Pension

9. November 1989 an der Grenze: Hauptwachtmeistermeister Peter Klahs und Hauptmann Ernst Schulze (r.), Chef der Salzwedeler Verkehrpolizei, im Einsatz.
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9. November 1989 an der Grenze: Hauptwachtmeistermeister Peter Klahs und Hauptmann Ernst Schulze (r.), Chef der Salzwedeler Verkehrpolizei, im Einsatz.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Salzwedel – Die oberste Weiße Maus im Altmarkkreis, Polizeioberkommissar Peter Klahs, geht in Rente. Der Chef des Sachbereiches Verkehrsorganisation hat bereits anderthalb Jahre verlängert. Ab 1. Januar ist der 61-Jährige Pensionär.

Oberkommissar Peter Klahs geht in Pension.

Der Altmärker erblickte in Vitzke das Licht der Welt. In der Salzwedeler Pumpenfabrik lernte Klahs Zerspanungsfacharbeiter und war dann drei Jahre als Fernaufklärer in Lehnin bei der NVA. Wieder zurück in der Heimat, trat er am 1. August 1982 seinen Dienst bei der Deutschen Volkspolizei an. Es folgten die Schutzpolizeiausbildung in Schwerin und eine Weiterbildung bei der Verkehrspolizei. Dort absolvierte er seit der 750-Jahr-Feier in Salzwedel seinen Dienst.

Unter anderem fuhr er Kradstreifen – erst auf einer ETZ aus Zschopau und nach der Wende auf einer BMW aus München. Er ackerte sich zum stellvertretenden Dienstabteilungsführer hoch und hatte während dieser Zeit auch seine einschneidendsten Erlebnisse.

Die Grenze ist auf

Dazu gehörte die Nacht der Grenzöffnung am 9. November 1989: Klahs hatte seine Frau zur Brigadefeier gebracht und kümmerte sich um seine beiden Kinder, hatte folglich keine Zeit, Fernsehen zu schauen. Als er die Knirpse dann ins Bett gebracht und die Nachbarn beauftragt hatte, nach den Jungs zu sehen, holte er seine Frau wieder ab. Auf dem Rückweg durch den Perver kam er nicht mehr über die Thälmannstraßenkreuzung. Aus Richtung Magdeburg kam ein Wagen nach dem anderen. Endlich zu Hause, rief er im Polizeirevier an: „Hat einer die Autobahn umgeleitet?“ Als ihm seine Kollegen erklärten, die Grenze sei offen, konnte Peter Klahs das kaum glauben. Und natürlich musste er sofort zum Dienst. „In den nächsten vier Tagen bin ich nur noch zum Unterwäschewechsel nach Hause gekommen“, erinnert sich der Verkehrspolizist.

Einige Tage später trafen sich Polizisten aus Ost und West direkt auf der Grenze. Ein Schutzmann aus der BRD übertrat den weißen Strich zur DDR und wurde daraufhin von einem Grenztruppen-Offizier harsch zurechtgewiesen: „Sie betreten das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik.“ Allseits Gelächter.

Einige Wochen später fuhr der Salzwedeler Revierchef Michael Schubert erstmals mit einem Funkstreifenwagen nach Lüchow zu Absprachen. Klahs saß am Steuer. In der Lüchower Wache klingelten schon die Telefone, als das Fahrzeug Bergen passierte. „Die Vopos kommen“, alarmierten die Niedersachsen ihre Polizei.

Das schlimmste Erlebnis seiner Dienstzeit war, als er nach einem Verkehrsunfall seinen eigenen Bruder tot fand. Wenn er davon spricht, versagt dem unter Kollegen als „harten Hund“ bekannten Oberkommissar die Stimme.

Einen seiner spektakulärsten Einsätze absolvierte der Salzwedeler 1998, als er bewaffnete Vietnamesen der Zigaretten-Mafia in Thielbeer jagte. Eine 75 Mann starke Polizeitruppe mit Schusswesten und Maschinenpistolen durchkämmte den Ort Gehöft für Gehöft. Einsatzleiter Klahs handelte nach bewährtem Motto: „Geführt wird von vorn.“

Noch mal zur Schule

2006 setzte sich der gestandene Schutzmann noch einmal auf die Schulbank und absolvierte die Ausbildung für den gehobenen Dienst. Danach wechselte Peter Klahs als Kommissar wieder in den Verkehrsdienst – aus dem er nun in den Ruhestand versetzt wird.

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