Salzwedel: Asyl soll umziehen

Salzwedel: An Lüneburger Straße 39 A sollen zwei Wohnungen für Obdachlose angemietet werden

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Die Obdachlosenunterkunft am Martinskamp war zu DDR-Zeiten ein Objekt der Gesellschaft für Sport und Technik (GST).
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Die Stadtverwaltung plant, das Obdachlosenasyl am Martinskamp aufzugeben. Dort ist seit einem Jahr niemand mehr untergekommen. Allerdings muss die Stadt zwei Plätze für Obdachlose vorhalten. Da am Martinskamp ein erheblicher Sanierungsbedarf besteht – unter anderem Abwasseranlage / Hebepumpwerk und Dach – schlägt die Verwaltung vor, zwei Wohnungen für Obdachlose anzumieten.

Salzwedel - Das würde mit jährlich 8400 Euro nicht wenig an den bisherigen Kosten am Martinskamp sparen, trifft aber nicht bei allen Stadträten auf Gegenliebe. Zumal die Unterbringung der Obdachlosen an der Lüneburger Straße 39 A (ehemaliges Clara-Zetkin-Altenheim) erfolgen soll.

Norbert Hundt (SPD) verwies auf die Fraktionssitzung am Freitag, wo man sich eine Meinung bilden wolle. Er selbst stimmt der Variante Wohnungen zu, will aber vorher die Fallzahlen sehen, also, wie viele Obdachlose bislang untergebracht werden mussten. „Ich hätte kein Problem mit den Wohnungen, wenn Miete und Kosten stimmen. Es ist ja keine Massenkonzentration“, will er, dass andere Mieter nicht gestört werden.

„Würdige Unterkunft“ muss erhalten bleiben

Sabine Danicke (Freie Fraktion) sieht das ganz anders. In das Objekt am Martinskamp sei in den vergangenen Jahren viel Geld geflossen, um eine „würdige Unterkunft“ zu schaffen. Dort müsse etwas gemacht werden, denn das Asyl stand ein Jahr lang leer, es regne durch, sagte sie. Und will als Bauausschussvorsitzende einen Termin vor Ort anberaumen. Die Alternative, also die Wohnungen an der Lüneburger Straße sehe sie „als nicht würdig genug, für die Schwachsten der Gesellschaft“. Für die sei die Stadt all die Jahre dagewesen, erinnerte sie an das Engagement von Schwester Christa Rietzschel, die in Mietwohnungen nicht so agieren könne, wie es für die Obdachlosen angemessen sei.

Außerdem wies Danicke darauf hin, dass es keine Verwendung für das Gelände am Martinskamp gäbe: „Das ist eine Kuhle. Wer will schon ein Haus dort hineinbauen.“ Und weiter: „Wir möchten, dass das ganze Arrangement am Martinskamp – auch mit Schwester Christa als Betreuerin – so erhalten bleibt.“

„Schwester Christa ist für den Martinskamp, wir dagegen“, sagte Dr. Bernd Kwiatkowski (CDU). Es sei zu teuer am Martinskamp, will die Fraktion auf die Kosten schauen. Die endgültige Entscheidung soll am Freitag in der Fraktionssitzung fallen.

An der Lüneburger Straße 39 A sollen zwei Wohnungen für Obdachlose angemietet werden.

Martin Schulz (Bündnis 90 /Die Grünen) plädiert für den Martinskamp. Er wundert sich nur, dass die Obdachlosenunterbringung plötzlich anders geregelt werden soll. Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, wo dort „beträchtlich Geld gespart werden kann“. Im Gegenzug verweist er auf die „beträchtlichen Vorleistungen“, die die Stadt über Jahrzehnte bereits am Martinskamp geleistet habe. Dabei hat er die Ausstattung und die Zimmer ebenso im Blick, wie einen Raum, der extra für den vorübergehenden Aufenthalt von Polizisten eingerichtet wurde, wenn diese denn dort gebraucht wurden und werden.

Beide Gruppen aus schwierigem Umfeld

Marco Heide (Linke) hat kein Problem damit, dass etwas effizienter gestaltet werden soll. Aber: „Wir sollten den sozialen Aspekt nicht aus den Augen verlieren.“ Auch er sieht die Obdachlosen lieber im Martinskamp als an der Lüneburger Straße 39 A. In dem dortigen Mehrfamilienhaus seien Mieter aus schwierigem Umfeld. „Wenn wir dort ein weiteres schwieriges Umfeld reinsetzen, tut das beiden nicht gut. Das ist aus sozialer Sicht nicht die beste Möglichkeit“, konstatiert der Stadtrat. Zumal sei er nicht bereit, dem Vermieter eine kontinuierliche Miete aus öffentlicher Hand zur Verfügung zu stellen, so Heide. „Ich kenne auch kein Patentrezept, aber vielleicht sollten wir diese Aufgabe an einen freien Träger abgeben“, brachte Heide eine neue Möglichkeit ins Spiel.

Hanns-Michael Kochanowski (AfD): „Wir haben uns den Martinskamp angeguckt. Die Unterkunft entspricht überhaupt nicht mehr den Anforderungen.“ Drei bis vier Obdachlose im Jahr und im vergangenen Jahr gar keiner, fährt die AfD klaren Kurs – und der geht in Richtung Lüneburger Straße. „Zwei Wohnungen sind billiger, als den Martinskamp weiter zu erhalten, und wir können sofort Odbachlose unterbringen.“

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