Entwicklungskonzept: Pro Jahr zehn neue Einwohner / Bald Wärme aus der Erde und der Jeetze?

Noch 82 Ruinen im Salzwedeler Stadtkern

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Häuser wie diese sind der Makel im Herzen Salzwedels. Von 655 Häusern innerhalb der historischen Stadtmauern befinden sich 82 in ruinösem Zustand.

Salzwedel. Wird es in den nächsten Jahren mehr Kastenfenster in Salzwedels Innenstadt geben? Mehr Isolierglas? Und werden die Hofdurchfahrten bald mit Toren verschlossen sein? Nutzen die Salzwedeler die Wärme der Erde und des Jeetzewassers? Stehen demnächst an vielen Stellen der Innenstadt kleine Blockheizkraftwerke?

Das ist keine Zukunftsmusik, sondern ein Denkanstoß aus dem neuesten Stadtentwicklungskonzept, das in einem Teilabschnitt die Kernstadt betrachtet. Und weil Salzwedels Innenstadt überwiegend aus Fachwerkhäusern besteht und dieses Kulturgut zu schützen ist, müssen die Salzwedeler in Sachen Wärmedämmung und regenerative Energien innovativ werden. Denn die Häuser von außen zu dämmen, ist in der Regel nicht möglich.

Viele Kinder, wenig Alte

Die gute Nachricht: Nachdem die Kernstadt zwischen 1990 und 1995 erheblich an Einwohnern verloren hat, verzeichnet sie seit 1996 wieder einen Zuwachs. So hat die Innenstadt heute ihre Einwohnerzahl von 1990, nämlich zirka 2200, wieder erreicht. Bilanziert wird im Stadtentwicklungskonzept auch, dass im Salzwedeler Kern überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche leben (13 Prozent der Gesamtbevölkerung). Im Gegenzug gibt es innerhalb der Stadtmauern weit weniger Senioren als im Durchschnitt der gesamten Stadt. Planerin Jaqueline Funke hat analysiert, dass dies auf den Zuzug junger Familien zurückzuführen ist. Sie rechnet damit, dass die Einwohnerzahl im Stadtkern auch bis 2020 kontinuierlich wächst – um etwa zehn pro Jahr. Dazu müsse der Leerstand von Häusern mit schlechtem Bauzustand weiter verringert werden, schreibt die Planerin. Die Häuser sind überwiegend in Privatbesitz, nur 104 gehören der Wohnungswirtschaft.

82 von 655 Häusern leer

Insgesamt stehen im Stadtkern 655 Häuser mit insgesamt 1083 Wohnungen. Es gibt aber immer noch 40 Gebäude im ruinösen Zustand und weitere 42, die deutliche Substanzschäden aufweisen bzw. wegen ihrer schlechten Bausubstanz leer stehen. Die Planerin hat zudem festgestellt, dass auch in den Hauptgeschäftsstraßen zunehmend Läden leer stehen.

Jaqueline Funke rät, sich vorrangig der Haussanierung zu widmen. Einen Rückbau empfiehlt sie nur bei Hintergebäuden und Nebenanlagen. Auch wenn die Planerin bestätigt, dass der Stadtkern als Wohnort attraktiv ist, so sieht sie doch, dass weitere Straßen saniert, Grünanlagen umgestaltet, der Bereich an der Stadtmauer durch Fußwege weiter erschlossen und Freiflächen beplant werden müssen. Auch die Stadtmauer mit ihren Türmen selbst sollten ins Blickfeld rücken. Jaqueline Funke sieht ferner einen Bedarf an „wohnungsnahen Erholungsbereichen“ im Stadtkern. Und: Baulücken sollten durch Neubauten wieder geschlossen werden.

Wenn die Stadt den Empfehlungen folgt, was der Stadtrat kürzlich per Beschluss ihres Entwicklungskonzeptes getan hat, und wenn die Privaten ihre Häuser weiter sanieren, sieht Jaqueline Funke eine abgeschlossene Umgestaltung des Stadtkerns im Jahr 2030.

Von Ulrike Meineke

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