Noch keine Spur von den Massengrabschändern

hob Salzwedel. Auch drei Tage, nachdem die Schändung des Ehrenmals für 244 KZ-Häftlinge an der Ritzer Brücke entdeckt wurde (wir berichteten), haben Staatsschutz und Polizei noch keine Spur. Auch aus der Bevölkerung sind keine Hinweise eingegangen. Der Verdacht der Ermittler richtet sich auf rechtsorientierte Kreise.

Sonntagvormittag hatte ein Tourist die Zerstörungen entdeckt. Von einer der drei Stelen, die vor dem Massengrab der in einem Zug verhungerten Häftlinge stehen, ist die steinerne Gedenkplatte heruntergerissen und zerschmettert. Die erisernen Großbuchstaben an der mittleren Stele sind fast ausnahmslos mit brachialer Gewalt verbogen. Die dritte Stele ist mit einer rechten Parole beschmiert.

Erste Reaktionen auf die Schändung kommen von den Linken. Stadt-, Kreis- und Landesverband Sachsen-Anhalt verurteilen die Tat. Sie sehen in der Zerstörung des Mahnmals „ein weiteres Indiz für die wuchernde rechtsradikale Gewalt und für die menschenfeindlichen neonazistischen Umtriebe in unserem Land“, so Hans-Jörg Krause, Landtagsabgeordneter und Mitglied des Kreisvorstandes im Altmarkkreis. Krause weiter: „Wir erwarten von der Landesregierung nicht nur, dass die Täter ermittelt und bestraft werden, sondern dass politische und soziale Maßnahmen ergriffen werden, die nachhaltig bewirken, dass der Schoß, aus dem dieses Gewaltpotenzial, diese Menschen- und insbesondere auch Ausländer- sowie Demokratiefeindlichkeit erwachsen, endlich trockengelegt wird.“ Zugleich fordert der Politiker Salzwedeler, Altmärker und Sachsen-Anhaltiner auf, sich künftig noch mehr gegen Rechtsextremisten und Neonazis zu verbünden und mitzuhelfen, „dass ihnen auf den Straßen und Plätzen unserer Städte und Dörfer und vor allem aber in den Hirnen unserer Kinder kein Platz geboten wird“.

Linke-Stadtverbandschef Jürgen Brunsch stimmt darin mit Hans-Jörg Krause überein. Auch er fordert schnellste Aufklärung und Bestrafung der Täter. Brunsch: „Außerdem sind Politik und Regierung aufgefordert, endlich geeignete Maßnahmen einzuleiten, die solchen zweifelsfrei neonazistischen Umtrieben in unserem Land den Boden entziehen.“

Bei der Stadtverwaltung, der das Areal an der Ritzer Brücke gehört, rechnet man derweil den materiellen Schaden zusammen. Ob eine Vandalismusversicherung greift, ist noch offen. „Das Ehrenmal wird auf jeden Fall wieder instand gesetzt“, sagte Marketingamtsleiter Olaf Meining.

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