Langsames Nachdenken in der Stadtverwaltung über freien Zugang zum schnellen Internet

Noch kein WLAN in der Bibliothek

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Dem Gast der Stadt- und Kreisbibliothek wird noch kein WLAN angeboten. Lediglich für die Mitarbeiter gibt es ein Netzwerk. Wenn die Stadt Salzwedel das WLAN-Projekt genehmigt, will Leiterin Bianca Hochstein eine Tablet-Tour anbieten.

Salzwedel. Salzwedel soll smarter werden. So war einst der Plan der jungen Freifunker, die in der Stadt an bestimmten Stellen kostenlose Internetzugänge anbieten wollten.

Doch ihnen machte die damals noch geltende Störerhaftung (2017 abgeschafft) einen Strich durch die Rechnung. Das Gesetz hatte besagt, der Nutzer für Dritte haften muss, wenn diese über den ihnen zur Verfügung gestellten Zugang Schindluder trieben. Nach den Freifunkern will nun die Stadt selbst aktiv werden. Den Anfang soll die Stadt- und Kreisbibliothek machen (wir berichteten). Jedoch kommt auch dieses Vorhaben nicht so richtig in Fahrt.

„Der Stand des Projekts ist derzeit unverändert“, erklärte Salzwedels Stadtsprecher Andreas Köhler auf Nachfrage der AZ. Auf gut Deutsch: Es ist nichts passiert. „Wir haben das Vorhaben weiterhin auf der Agenda. Ob es dieses Jahr noch etwas wird, steht noch aus“, so Köhler weiter.

Allerdings schilderte die Bibliotheksleiterin Bianca Hochstein einen ganz anderen Stand als der Stadtsprecher. „Wir haben mit unserer IT-Abteilung alles abgesprochen und soweit vorbereitet, dass es sofort losgehen könnte“, sagte Hochstein. „Wir warten nur noch auf eine Zustimmung der Stadt.“

Warum die junge Leiterin noch handeln kann, liegt daran, dass das Bibliotheksnetz in städtischer Hand ist. Wäre es das nicht, hätte Hochstein ihre Pläne schon längst umgesetzt. „Ich frage mich, wie es sein kann, dass ein Schnellrestaurant für eine halbe Stunde freies WLAN anbieten kann – wir aber nicht?“, schüttelte Hochstein den Kopf. „Die Bibliothek ist eine öffentliche Einrichtung und ein freier Netzzugang wäre ein Pluspunkt für unseren Service.“

Und dazu hat die Chefin des Lesetempels schon jede Menge Ideen. Zum einen könnte sich Bianca Hochstein vorstellen, eine Tablet-Tour im Hause zu veranstalten. Dabei hätten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, mit Tablets oder mit dem eigenen Handy ihre Bibliothek selbst zu erkunden. Dafür müssten sie sich nur per WLAN einloggen. Doch das ist derzeit noch nicht möglich. Zum anderen würde dies allen Besuchern der Bibliothek zugutekommen, die sich so blitzschnell über den Bücherbestand oder die Verfügbarkeit eines von ihnen gesuchten Buch es informieren können. Dies via Internet von zu Hause aus zu tun, ist schon jetzt möglich. In der Bibliothek dies per Handy zu tun, frisst Datenvolumen und damit das Geld aus dem Portemonnaie des Nutzers. Nun fehlt der Bibliothek nur noch das Freischalten für kostenloses WLAN. Darüber wird in der Stadtverwaltung seit Februar immer noch nachgedacht.

Von Paul W. Hiersche

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