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Nur noch fliegen, wenn es schon brennt

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Die niedersächsischen Feuerwehr-Flieger kamen beim Waldbrand bei Bombeck im Juli vergangenen Jahres zu Hilfe. Dank ihrer präzisen Angaben aus der Luft, konnte die Einsatzleitung die Kräfte effektiver koordinieren. Foto Gropp / Montage: Köhler

Salzwedel / Uelzen. Hans Thiele blickt „neidisch auf die Errungenschaft der Nachbarn“. Dezernent Thiele ist der oberste Katastrophenschützer im Altmarkkreis Salzwedel. Unter seine Hoheit fallen auch 64 000 Hektar, meist zusammenhängendes und schwer zugängliches Waldgebiet.

Selbst, wenn er den Einsatz der niedersächsischen Feuerwehrflieger Gott sei dank erst einmal, nämlich bei Bombeck, erleben konnte – „es hat sich gezeigt, wie hilfreich es ist, wenn jemand aus der Luft das sieht, was vom Boden aus nicht zu erkennen ist – nämlich, in welche Richtung sich das Feuer sich dreht“, so Hans Thiele.

Fotomelder kaum tauglich

Wenn die Feuerwehr-Piloten über Randgebiete des Altmarkkreises fliegen, so ist das für den Dezernatsleiter „durchaus beruhigend“. Denn auch für ihn sind die Fotomelder kaum tauglich: „Rauch über Bombeck. Was soll ich damit anfangen? Da sind mir die äußerst präzisen und detaillierten Angaben der Flieger weitaus hilfreicher.“

Das Problem: Die niedersächsischen Feuerwehr-Flieger sollen nur noch aufsteigen, wenn es brennt. Auch zum Bedauern der Altmärker, die beim Bombecker Waldbrand auf die Hilfe der Flieger zurückgreifen konnten.

Die Wälder sind trocken und ausgedörrt, vielfach reicht ein Funke, und das Unterholz steht in Flammen. Im Altmarkkreis herrscht Waldbrandstufe 3, im Raum Uelzen die höchste Wald- und Flächenbrandwarnstufe überhaupt. Trotzdem müssen die Feuerwehren seit Gründonnerstag auf einen wichtigen Helfer aus der Luft verzichten: Die in Lüneburg stationierte Cessna des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, die bei Wald- und Flächenbränden aus der Luft unterstützt, bleibt aus Geldmangel am Boden. „Wir können nicht fliegen, weil die 5 000 Euro, die uns über Ostern zur Verfügung gestellt wurden, verbraucht sind“, sagte Regierungsbrandmeister Werner Meyer. In einem Schreiben der Polizeidirektion Lüneburg, die die Fliegerei im Auftrag des niedersächsischen Innenministeriums anordnet, heißt es, dass keine finanziellen Mittel vorhanden seien und die Flüge abgebrochen werden müssten.

„Ich hoffe, dass sich das kurzfristig klärt“, sagte Meyer. Guido Koch aus der Pressestelle der Lüneburger Polizeidirektion hat zwar Hoffnungen – aber keine Fakten. „Wir müssen abwarten“, sagt er. Für den seit 50 Jahren aktiven Flugdienst der Feuerwehr gibt es laut Meyer keine Haushaltsstelle, sodass das Innenministerium kein Geld bereitstellen kann. „Die Lage ist brisant“, so Meyer.

Geflogen wird nur „notfalls“

Geflogen werden kann nur „notfalls“: Der Feuerwehr-Flugdienst soll nur noch aufsteigen, wenn es tatsächlich brennt. „Wir haben Überwachungskameras, da ist es doch unsinnig, über dieses Gebiet auch zu fliegen“, so Koch gegenüber feuerwehrmagazin.de. Für den Fall, dass es brennt, würde man sich eine Crew suchen und diese dann starten lassen, so Koch. „Wir werden entscheiden, wenn das nötig ist“, sagte der Polizeisprecher. Im Klartext bleibt die Cessna am Boden – bis es brennt.

Der Landesfeuerwehrverband setzt den Feuerwehr-Flugdienst seit Jahrzehnten erfolgreich ein, nachdem es in der Lüneburger Heide verheerende Wald- und Flächenbrände gegeben hatte. „Der Wind hat den Wald trocken geblasen“, fürchtet Meyer aktuell eine neue Brandkatastrophe. Von den 20 Überwachungskameras, die auf 17 Masten in Nordost-Niedersachsen installiert sind, lieferten im Sommer 2010 zeitweise nur vier ihre Bilder in die zentrale der Lüneburger Polizeidirektion. Verlässlich scheint diese Technik nicht zu sein.

2010 insgesamt 23 Brände entdeckt

Geflogen wird von Lüneburg aus eigentlich pro Tag dreimal. Nach dem Start in Lüneburg geht es in Richtung Bleckede an der Elbe, von dort weiter entlang der Landkreise Lüchow-Dannenberg und Uelzen über Salzwedel und von dort weiter nach Gifhorn. Am südlichen Rand der Lüneburger Heide erfolgt der Flug über Teile des Landkreises Celle entlang in den Kreis Soltau-Fallingbostel, von dort geht es über den Kreis Harburg zurück nach Lüneburg. Dauer: rund zwei Stunden.

Im vergangenen Jahr ist die Lüneburger Maschine an insgesamt 26 Einsatztagen gestartet, hierbei wurden 23 Brände zuerst entdeckt und die entsprechenden Leitstellen des Überwachungsgebietes verständigt sowie die alarmierten Feuerwehren aus der Luft an die Brandherde geführt.

Einer der Einsätze im vergangenen Jahr führte die Cessna des Landesfeuerwehrverbandes Lüneburg auch in den Salzwedeler Raum. Am 21. Juli standen 50 Hektar Wald bei Bombeck in Flammen. 39 Feuerwehren standen mit 344 Kameraden im Feuerkampf. Die niedersächsischen Feuerwehr-Flieger gaben der Einsatzleitung wertvolle Hinweise aus der Luft.

Von Timo Jann und Holger Benecke

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