Im Gericht

Neun Monate Haft für Katzenschänder

  • vonLydia Zahn
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Neun Monate Haft: So lautet das Urteil für einen 27-Jährigen, der seine zwei Katzen misshandelt hatte. Er war wegen Tierquälerei und Körperverletzung angeklagt. In der vorangegangenen Verhandlung im Salzwedeler Amtsgericht vor einer Woche war die Verstümmelung seiner zwei Kätzchen thematisiert worden. Nun drehte es sich um eine Rangelei mit seinem ehemaligen Freund.

Salzwedel - Ende September 2019 hatte der Angeklagte zusammen mit einem Kumpel Bier getrunken. Als ihnen der Schluck ausgegangen war, begaben sie sich zu einer Tankstelle, um Neues zu kaufen. Dort trafen sie auf zwei Bekannte, eine Frau und ein Mann, kamen ins Gespräch und gingen gemeinsam ein Stück zurück. Der Mann verabschiedete sich zuerst. Zurück blieben die Frau, auf die der Angeklagte ein Auge geworfen hatte, er selbst und sein Freund. Doch dieser schien auch Gefallen an der Dame zu finden. Was, wie der Salzwedeler später im Gericht zugab, der Auslöser für den Streit der Beiden wurde. Denn dem Angeklagten passte es gar nicht, dass sein Kumpan eine schwangere Freundin hatte und sich dennoch an die Dame ranmachte. So kam es, dass der 27-Jährige seinen Kumpel in dessen Wohnhaus würgte und angriff. Sie schubsten sich gegenseitig, bis der Geschädigte den Halt verlor, die Schulter des Angeklagten zu fassen bekam und beide gemeinsam die Kellertreppe herunterstürzten.

„Ich landete auf dem Gesicht, er auf dem Rücken“, erklärte der Geschädigte auf dem Zeugenstuhl dem Schöffengericht. „Er hat aufgeschrien vor Schmerzen.“ Als sich beide aufgerappelt hatten, waren sie in die Wohnung des Freundes gegangen, hatten ein Bier getrunken und waren später ins Krankenhaus gegangen, schilderte er weiter. „Nach dem Vorfall ging es mir zwei Wochen richtig scheiße. Ich musste mich viel übergeben und hatte starke Schmerzen“, berichtete der Geschädigte. Da die beiden Herren seit der Schulzeit befreundet waren, sah der Geschädigte vorerst von einer Anzeige ab. Da die Schmerzen jedoch anhielten, führte ihn der Weg schlussendlich doch zur Polizei. Was er heute bereits bedauert, wie er erklärte: „Ich bereue es, dass ich ihn angezeigt habe. Es war unser beider Verschulden. Es ist aus einem Missverständnis heraus entstanden.“ Außerdem nahm er seinen ehemaligen Kumpan in Schutz: „Eigentlich ist er ein guter Mensch.“

Die Staatsanwältin schlug dem Schöffengericht vor, den Vorwurf der Körperverletzung einzustellen, da sich der Angeklagte kurz nach der Tat bei dem Geschädigten entschuldigt hatte und dieser an einer Strafverfolgung nicht interessiert sei. Dem stimmten Richter Dr. Klaus Hüttermann und der Verteidiger des 27-Jährigen zu.

Der zweite Anklagepunkt war schwerwiegender: Im Zeitraum von Juli bis Oktober 2019 hatte der Angeklagte in seinem damaligen Wohnort in Altensalzwedel seine zwei Kater gequält und misshandelt. Er hatte ihnen ohne Betäubung die Ohrmuscheln kreisrund abgeschnitten und einem der Kater ein Stück der Lippe herausgetrennt – wodurch dieser sein Maul nicht mehr richtig schließen kann. Außerdem hatte der 27-Jährige die Vierbeiner mit einer Flüssigkeit, wahrscheinlich heißem Wasser, übergossen oder mit Wasserdampf verbrüht. Ohne die Kätzchen zu behandeln oder zum Tierarzt zu bringen, hatte er sie alleine in der Wohnung gelassen. Seine Mutter hatte die beiden damals gefunden und zur Amtstierärztin gebracht. Als sie gestern als Zeugin im Gericht war, verweigerte sie jedoch die Aussage.

Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte eine schwere Kindheit hatte. Ein Vater, der gerne zur Flasche griff und Gewalt an der Familie ausließ. Ein Aufenthalt in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, auffälliges Verhalten, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), Sonderschulen und der Rausschmiss nach der 8. Klasse wegen Schlägereien die Folge. „Ich habe schon immer Menschen gehasst“ und „Ich bin eine tickende Zeitbombe“, waren Sätze, die der Angeklagte gegenüber dem Gutachter geäußert hatte und dieser nun aus seinem Bericht vorlas. Seiner Einschätzung nach habe der Beschuldigte eine Persönlichkeitsstörung und zur Tatzeit eine Alkoholabhängigkeit gehabt.

Zehn Eintragungen im Strafregister halfen dem Angeklagten nicht gerade, auch wenn darunter keiner wegen Tierquälerei war. Dafür aber unter anderem Einträge wegen Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Gesamtstrafe von neun Monaten Haft ohne die Aussicht auf Bewährung und ein Tierhalteverbot von drei Jahren. „Mit einer Geldstrafe ist hier nicht mehr Genüge getan“, war sie sich sicher. Der Verteidiger stimmte den neun Monaten zu, wollte aber, dass diese zur Bewährung ausgesetzt werden. „Es tut mir einfach unfassbar leid. Wenn ich es zurückdrehen könnte, würde ich es tun“, erklärte der Angeklagte. Doch es nützte nichts, das Schöffengericht sprach eine Haft von neun Monaten ohne Bewährung aus. „Wir haben hier zwei Fälle von Tierquälerei auf sehr bestialische Weise“, verdeutlichte Richter Hüttermann. Und: „Letzten Endes ändern Sie Ihr Verhalten nicht.“

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