Klinikum investiert 1,2 Millionen Euro für Gardelegener Dialysezentrum

Neuer Klinik-Chef will „alle Register ziehen“

Für den Standort Gardelegen des Altmark-Klinikums soll das Leistungsspektrum mit Wirbelsäulen- und Gefäßchirurgie samt gut ausgebauter Dialyse die Zukunft sein. Fotos (2): AZ-Archiv

Gardelegen. Übernächste Woche soll ein langfristiger Mietvertrag zwischen dem Altmark-Klinikum und dem Nierenzentrum Stendal unterzeichnet werden. Klinikum-Geschäftsführer Matthias Lauterbach will damit den Standort Gardelegen festigen.

Denn damit soll auch das über Jahre diskutierte und immer wieder auf Eis gelegte Dialysezentrum endlich Gestalt annehmen.

Diesmal ganz konkret. Denn wie Lauterbach in einem AZ-Gespräch sagte, soll der Neubau Ende nächsten Jahres stehen. Mit dieser 1,2-Millionen-Euro-Investition soll ein Zeichen nicht nur für den Erhalt, sondern auch den Ausbau des Standortes Gardelegen gesetzt werden. Lauterbach will dem Klinikum in der Reutterstadt sozusagen ein eigenes Gesicht verpassen. Während Geburtshilfe und Pädiatrie in Salzwedel und Gardelegen Programm sind, soll für Gardelegen das Leistungsspektrum mit Wirbelsäulen- und Gefäßchirurgie samt gut ausgebauter Dialyse die Zukunft sein.

Lesen Sie dazu auch:

OP-Skandal: Eine Million Euro retour

Das muss natürlich auch personell untersetzt werden. „Gespräche mit einer Gefäßchirurgin laufen“, berichtete Lauterbach. Doch noch klemmt die Säge in Gardelegen gerade im personellen Bereich.

Chirurgie ist besonders gebeutelt

Besonders gebeutelt ist die Chirurgie, vor allem durch den OP-Skandal. Von ursprünglich 18 Ärzten – die Sollbesetzung gibt der Geschäftsführer mit 16 an – sind nur noch zehn dort. Über das letzte September-Wochenende wurde die Station 6 sogar geschlossen. „Nicht aus Ärzte-, sondern aus Patientenmangel“, begründet Lauterbach.

Das chirurgische Zentrum in Gardelegen wird derzeit von Dr. Christoph Luck kommissarisch geleitet. Luck arbeitet eigentlich am Salzwedeler Klinikum-Standort, hat Gardelegen aber für ein halbes Jahr kommissarisch übernommen.

Seinem Vorgänger, Dr. Thomas Buthut, hatte das Klinikum Mitte September überraschend gekündigt (AZ berichtete). Geschäftsführer Lauterbach erläuterte nun die Hintergründe aus seiner Sicht: So soll Buthut Ende August durch seinen Anwalt um die Auflösung seines Vertrages mit dem Klinikum gebeten haben. „Wir haben ihm ganz viel Weg geebnet, Umfeld und Rahmenbedingungen für ihn und die Ärzte, die er mitgebracht hat, geebnet. Irgendwann im Juni ist dann die Kommunikation abgebrochen“, sagt Lauterbach gegenüber der AZ.

Dr. Buthut hat den „Sprung nicht geschafft“

Vermutlich habe Dr. Buthut „den Sprung nicht geschafft – von einem Krankenhaus mit Schwerpunktversorgung zu einem Krankenhaus mit Grundversorgung, wo der Chefarzt sein bester Mitarbeiter ist“, schlussfolgert der Geschäftsführer. Lauterbach ist überzeugt, dass die Trennung von dem Chefarzt „in den nächsten vier Wochen einvernehmlich gelöst wird“. Auch mit anderen Medizinern, die inzwischen wieder weg sind, war der Geschäftsführer nicht zufrieden: „Es waren ein Stück weit herbe Enttäuschungen über die Ärzte, die Dr. Buthut mitgebracht hat.“

Lauterbach will nach vorn. Auch wenn er weiß, dass der OP-Skandal vor seiner Zeit „beim Unternehmen Brandwunden hinterlassen hat“. Und er weiß auch, dass es Jahre dauern wird, in denen diese Wunden immer wieder aufreißen.

Eine der Brandwunden ist der OP-Skandal an sich. Mit dem Gutachten zur Schadensermittlung bei den Krankenkassen – die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Abrechnungsbetrugs – hat Lauterbach im März dieses Jahres den ersten Schritt zur Heilung eingeleitet. Eine Million Euro muss das Klinikum nun wie gestern berichtet berappen. Laut Lauterbach wurde die Summe bereits als Rückstellung beiseite gelegt, sodass der weitere Krankenhaus-Betrieb nicht darunter leiden müsse. Das Klinikum selbst werde gegen den weißrussischen Honorararzt ebenfalls Ansprüche geltend machen. Auch das wurde bereits Mitte des Jahres in die Wege geleitet. „Wir werden alle Register ziehen“, sagt Lauterbach. Das allerdings werde dauern, da zivilrechtlich nur jeder Fall einzeln geltend gemacht werden kann.

Von Holger Benecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare