Kommentar zum Thema Kindererziehung

„Nein ist nein“ war noch nie falsch

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(Symbolbild)

Immer mehr Kinder können nicht schwimmen, beklagt die Lebensrettungsgesellschaft. Sie glaubt, das liegt unter anderem an mangelndem Engagement der Eltern. Immer mehr Kinder haben immer weniger Respekt, sind frech und können sich nicht benehmen, klagen Erzieher und Lehrer.

Sie sind nicht dazu da, die Kinder zu erziehen, müssen fehlende Erziehung aber ertragen. Und wenn sie dem frechen Kind eine Ansage machen, stehen die Eltern auf der Matte und nehmen ihren Spross in Schutz. Wie kann die Kindergartentante nur so mit meinem Kind reden.

Da liegt doch was im Argen. Man kann darüber streiten, ob autoritäre oder alternative Erziehung richtig ist, aber unstrittig ist doch, dass Kinder Regeln und Grenzen brauchen.

Neulich erzählte eine junge Mutter, dass ihr Sohn nicht einschlafen wollte oder konnte und sie zehn Gute-Nacht-Lieder singen musste. Warum hat sie dem Kind nicht gesagt: Ich bin selbst müde, das Gute-Nacht-Ritual ist vorbei, ich hab dich lieb, schlaf gut! Im Supermarkt schmiss sich kürzlich ein Kind an der Hand seiner Mutter auf den Boden, strampelte und schrie, weil es ein Spielzeug nicht haben sollte. Mama hatte ihren vielleicht dreijährigen Sprössling vorher beiseitegenommen und ihn lang und breit gefragt, ob er der Meinung sei, dass er das Spielzeug wirklich brauche. Warum hat sie nicht einfach „Nein“ gesagt?

Immer seltener hört man Eltern ihre Kinder fragen, die gerade beschenkt wurden: „Hast du Danke gesagt?“

Ein letztes Beispiel: Sohnemann lernt Fahrradfahren und stürzt. Er ist tapfer, beißt die Zähne zusammen, obwohl die Schürfwunde schmerzt. Erst, als Mama aufgelöst zu Hilfe eilt und ihn panisch zutextet, fängt er an zu weinen. Warum fragt Mama nicht: „Alles ok?“ und lässt ihrem Kind damit die Option, sich selbst zu helfen?

All diese kleinen Bausteine brennen sich ins Gedächtnis und machen aus Kindern Jugendliche, die nicht wissen, was richtig ist. Diese Jugendlichen werden erwachsen und Eltern, die ihre Kinder (v)erziehen, wie sie selbst (v)erzogen wurden.

Es gibt so viele Kontaktstellen für Kinder und Erwachsene, die Probleme haben, aber macht es nicht viel mehr Sinn, Erziehungskurse für werdende oder junge Eltern anzubieten?

Schaut man sich im Kindergarten und in den Schulen um, sind ganz offensichtlich immer mehr Eltern mit der Kindererziehung überfordert. Natürlich soll und muss jeder selbst entscheiden, wie er seinen Nachwuchs rüstet, aber ein paar Regeln wie „Nein ist nein“ waren noch nie falsch.

Es kann doch nicht richtig sein, dass Eltern ihre Kinder nicht zum Schwimmunterricht schicken, weil sie Angst haben, das Kind könnte ertrinken. Das könnte es tatsächlich, wenn es in eine Situation kommt, wo Schwimmen erforderlich ist. Und das gilt auch im übertragenen Sinn: Wer nicht gelernt hat, mit dem Leben klarzukommen, droht irgendwann unterzugehen.

Von Ulrike Meineke

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