Salzwedeler kämpfen gegen den Leerstand und bringen Häuser unter die Haube

Namhaftes Zugpferd fehlt

Mit der so genannten „Gleitmietklausel“ will die Werbegemeinschaft Salzwedel neuen Geschäften unter die Arme greifen. Bis die Läden auf sicheren Beinen stehen, kommen ihnen die Eigentümer mit der Miete entgegen.

Salzwedel. Ein Stadtbummel durch Salzwedels enge Gassen vorbei an urigen Fachwerkhäusern entpuppt sich als trostlose Entdeckungsreise: Leere Verkaufsräume, kahle Schaufenster, verwahrloste Häuser und abgebrochene Ruinen.

Viele Gebäude im Innenstadtkern stehen „schon seit über 20 Jahren leer“, weiß die Mitarbeiterin des Bauamtes Ines Kahrens. Damals wohnten allein in der Kernstadt 23 000 Hansestädter. „Es gibt zu wenig Einwohner in Salzwedel“, erklärt sie weiter. Zudem seien heutzutage „die Sanierungskosten viel höher als vor 15 Jahren.“

Kupplerin im Dienste der Stadt: Ines Kahrens bringt Kaufinteressierte und Hauseigentümer zusammen.

Schleppende Umsätze, ungeklärte Besitzverhältnisse, überzogene Preisvorstellungen der Eigentümer und das Aussterben etablierter Familienbetriebe seien unter anderem Gründe für die gähnende Leere auf den hiesigen Verkaufsflächen, weiß der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Salzwedel, Jost Fischer. Außerdem fehle ein „namhaftes Zugpferd“, beispielsweise eine prominente Kaufhauskette, um die Landbevölkerung herzulocken. In Salzwedel wohnen viele Pendler, „deren Lebensmittelpunkt ist da, wo sie arbeiten“, und somit fallen sie hier als Kunden weg, erklärt Fischer.

Doch während sich in Großstädten Leerstandsgegner und Polizei die Köpfe einschlagen, brüten die hießigen Häupter Lösungen aus: Die Aktion „100 für 100“ vermittelt seit 2007 online leerstehende Häuser in der Hansestadt. Ines Kahrens verkuppelt Kaufinteressierte und Eigentümer und berät zu diversen Fördermitteln. „Die Finanzierung ist heutzutage total schwer“, weiß Kahrens. 21 Häuser hat sie auf diesem Weg bereits unter die Haube gebracht.

Die Konkurrenz aus dem Internet und den Großstadtzentren ist für die Gewerbetreibenden der Hansestadt groß. „Da kommt ein vorprogrammierter Wandel auf uns zu“, prognostiziert der Geschäftsmann. Die Stadt brauche Kauf-Magnete.

Mit diversen Aktionen will die Werbegemeinschaft gegen den Trend kämpfen. In Zusammenarbeit mit den Eigentümern wollen sie auch 2014 neue Geschäfte mit zunächst günstigen Mieten etablieren. „Es ist alles nicht so einfach“, sagt Fischer. „Doch wir bleiben am Ball.“

Von Eva Hahner

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