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Salzwedel: Nachwuchs aus der Region fehlt

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Von: Lydia Zahn

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Burghard Bannier wünscht sich mehr Azubis aus der Region. © AZ-Archiv

Es gibt wohl kaum einen Bereich, in dem gerade keine Auszubildenden (Azubis) gesucht werden. Bundesweit sind laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) knapp 40 Prozent der Plätze im laufenden Ausbildungsjahr bis September nicht vergeben worden.

Salzwedel – Gastronomie und Hotellerie bilden dabei keine Ausnahme. Unsicherheit schaffte zusätzlich noch die Pandemie, während der Restaurants oft schließen mussten. Dennoch sieht es gar nicht schlecht mit dem Nachwuchs in Betrieben in der Region aus. Die Berufsschulklassen weisen einen Anstieg der Schülerzahlen auf. Und ein Programm der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) hilft, die Lücken im Personalbereich zu füllen.

Burghard Bannier, Geschäftsführer des Flair Hotels „Deutsches Haus“ in Arendsee und Mitglied des Präsidiums der Dehoga Sachsen-Anhalt, erklärt der AZ auf Nachfrage, wie es um den Gastro- und Hotelbereich steht. „Der Markt sucht dringend Personal in dieser Branche“, bestätigt Bannier.

Auszubildende aus Fernost

Doch was die Auszubildenden angeht, sehe es nicht allzu schlecht aus. Denn zum einen habe die Pandemie darauf keinen zu großen Einfluss genommen. Anders als beim Fachpersonal, das vielerorts durch Kurzarbeit und Co. in andere Berufe und Bereiche gewechselt seien, wie Bannier sagt. Zum anderen durch die Unterstützung des Vietnam-Projekts der Dehoga Sachsen-Anhalt.

„Ich habe mit insgesamt zwölf Azubis – fünf Köchen und fünf im Service – die Anzahl, die ich mir wünsche“, berichtet Bannier. Das aber nur, weil „wir Azubis aus Vietnam ausbilden“. Dadurch könne er sich sogar den Luxus erlauben, sich seine Auszubildenden auszusuchen.

Doch wie funktioniert das Vietnam-Projekt? „Mit unseren Partnern in Vietnam suchen wir nach geeigneten Leuten, die sich aber auch bei uns melden können. Ebenso können sie sich bereits zum Anfang einen Betrieb in Deutschland, vorzugsweise in Sachsen-Anhalt, aussuchen. Das Bewerbungsverfahren funktioniert dann wie bei uns in Deutschland“, fasst der Gastronom und Hotelier zusammen. Und: „Sie haben sehr gute Schulabschlüsse und Deutschkenntnisse, wodurch sie direkt eingesetzt werden können.“

Doch Bannier wünscht sich vor allem eins: Mehr Bewerbungen aus der Region. „In den Nachwendejahren, so in den 90ern, waren es Hunderte, also 400 bis 500 Bewerbungen“, erinnert er sich. Doch schon seit Jahren sind es viel weniger. Zurzeit liegen ihm drei Bewerbungen aus der Region vor. Diese würde er auch bevorzugt einstellen, vorausgesetzt, es passt. „Ich möchte nur die ausbilden, die das auch wollen.“

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Ulf Reichelt freut sich über einen Anstieg der Schülerzahl. © AZ-Archiv

In den Gasto-Klassen des ersten Lehrjahres der Berufsbildenden Schulen des Altmarkkreises in Salzwedel sind ein Viertel bis ein Drittel der Schüler Vietnamesen, erklärt Ulf Reichelt, Berufsschullehrer und Bildungsteam-Leiter im Gastro-Bereich. Die Klassen des ersten Lehrjahres, dazu zählen Köche, Hotel- und Restaurantfachkräfte, sind mit etwa 20 Schülern „erfreulicherweise sehr gut besetzt“. Die Klassen der zweiten und dritten Lehrjahre dünnen eher aus, erzählt Reichelt. Er sehe aber dennoch einen erneuten Anstieg in dieser Branche.

Schüler wurden über die Jahre weniger

„Vor über 20 Jahren waren die Klassen zweigleisig besetzt, weil wir rund 50 Schüler pro Jahrgang und Bereich hatten“, erinnert sich Reichelt. Mit den Jahren wurde dann es weniger. Doch der erneute Anstieg der Schülerzahlen lässt den Berufsschullehrer hoffen. Er vermutet sogar, dass es noch einmal mehr werden könnten, wenn Restaurants, Events und Kultur von der Pandemie nicht mehr gebremst werden.

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Annette Wnuck von Lipinski sieht viele Vorteile an einem Job in der Gastro. © AZ-Archiv

Dass die Gastronomie und Hotellerie viele Möglichkeiten bietet, findet Annette Wnuck von Lipinski, Inhaberin vom Hotel “Siebeneichen”. „Es ist global, man kann den Job überall auf der Welt ausüben, egal ob Küche oder Service“, ist sie sich sicher. Er ermögliche aber auch Einstiege in andere Bereiche. Die Arbeitszeiten, die manche als Nachteil sehen, empfindet sie als Vorteil. Denn diese wären „für jede Lebenslage tauglich“. Zurzeit hat sie zwar keinen Auszubildenden, das soll sich im September aber wieder ändern.

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