Auf gutem Weg zur Normalität

Salzwedel: Nachfrage steigt, aber auch Sorge vor Delta-Variante

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Auf der Suche nach dem passenden Sommer-Outfit wird auch „Mode No. 1“ in Salzwedel von immer mehr Kunden aufgesucht. Sehr zur Freude von Inhaberin Nadine Sinhuber (l.).
  • Florian Schulz
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Sie mussten lange zittern, sogar um ihre Existenz, doch nach dem zweiten Lockdown und der Wiedereröffnung befinden sich die Salzwedeler Geschäfte auf einem guten Weg in Richtung Normalität. Wenn auch die Sorge vor einer erneuten Schließung mit Blick auf die Delta-Variante nicht unbegründet ist.

Salzwedel – Was der Mensch – egal, ob nun im oder außerhalb des Lockdowns – benötigt, ist Kleidung. So erfreute sich Inhaberin Nadine Sinhuber bei „Mode No. 1“ direkt wieder großen Zulaufs, nachdem die Türen Mitte Mai wieder geöffnet wurden. „Es ist wirklich gut angelaufen. Die Leute waren direkt neugierig“, berichtet Sinhuber. Was ihr und ihren Kollegen allerdings zunächst noch Probleme bereitete, war die noch nicht geöffnete Gastronomie. Dadurch verzichteten viele Menschen vorerst auf einen Stadtbummel. Doch auch dies hat sich mittlerweile geändert. „Die Leute kaufen aktuell viele Outfits für ihren Urlaub“, verrät die Geschäftsführerin. Und: „Wir sind zwar mit Blick auf die Kundschaft noch lange nicht da, wo wir hin möchten, allerdings geht es in die richtige Richtung.“

Inmitten des Lockdowns behalf sich das Geschäft mit einem Service über soziale Medien. Beispielsweise war es möglich, über WhatsApp, Instagram oder auch Facebook Mode zu beordern. „Dadurch haben wir speziell viel junges Publikum dazugewonnen“, freut sich Sinhuber. Allerdings schaut der breite Kundenstamm auch nach wie vor lieber persönlich vorbei. Unverständlich ist und bleibt Sinhuber jedoch die Panikmache vor der Corona-Delta-Variante. „Gerade für eine Kleinstadt wie Salzwedel ist das alles andere als hilfreich“, meint sie.

Besserung nach Testpflicht-Abschaffung

Ähnlich sieht es im Schuhhaus Düster aus. „Auch bei uns lief es vor rund zwei Monaten zunächst verhalten wegen der Testpflicht an. Doch seitdem diese abgeschafft ist, bewegen wir uns wieder in Richtung Normalstand“, urteilt Geschäftsführer Udo Schulz. Während der Schließung des Geschäfts wurde das sogenannte „Click & Collect“ angeboten. Heißt: Die Schuhe konnten zu Hause an- und ausprobiert werden. Dieser Service ist mittlerweile wieder komplett eingestampft. „Man muss auch ehrlich sagen, dass der Aufwand unterm Strich größer als der Ertrag war“, bilanziert Schulz. Außerdem weiß er aus Erfahrung: „Die Leute suchen eher nach einer fachlichen Meinung vor Ort.“

Beratung vor Ort ist doch immer noch das Beste: Inhaber Udo Schulz vom Schuhhaus Düster ist froh, seit etwa zwei Monaten wieder die Türen öffnen zu dürfen.

Auch in der Spielzeugwelt Goyer kehrt langsam aber sicher wieder Normalität ein. „Zu Anfang war es noch etwas verhalten, weil die Leute verunsichert waren. Doch mittlerweile kommen sie wieder zu uns und kaufen überwiegend Geburtstagsboxen“, verrät Kathrin Goyer aus der Geschäftsführung. Corona viel Positives abgewinnen, das kann auch Goyer nicht.

Dennoch verdeutlicht sie: „Die Leute haben nachgedacht und sich dazu entschlossen, nun wieder vermehrt im regionalen Einzelhandel einzukaufen. Sie genießen es, die Dinge persönlich in die Hand zu nehmen und sich beraten zu lassen.“

Nichtsdestotrotz ist das Spielzeugwarengeschäft gerade dabei, einen Online-Shop aufzubauen, der ab Herbst dieses Jahres besuchbar sein soll. Goyer lobt zudem den tollen Zusammenhalt der einzelnen Geschäfte im Einzelhandel – beispielsweise durch gemeinsam organisiertes Straßenshopping mit Musik.

E-Bikes aktuell im Trend

Durchgehend geöffnet war beispielsweise der Fahrradhandel Toma-Bike. In Zeiten des Lockdowns musste aber darauf geachtet werden, dass die Anzahl der Kunden im Geschäft begrenzt ist. „Man hat schon gemerkt, dass sich die Leute mehr an der frischen Luft bewegen wollen“, erklärt Angestellter Miklos Woidt. Fitnessstudios waren geschlossen, auch Vereinssport war nicht möglich. „Da ist Fahrrad fahren eine gute Alternative“, sagt Woidt.

Im Trend befinden sich aktuell E-Bikes. Toma-Bike (Angestellter Miklos Woidt) hat im Laufe des vergangenen Jahres zahlreiche davon verkaufen können.

Im Trend liegen aktuell E-Bikes. „Die Nachfrage ist allgemein hoch“, verrät der Bike-Experte. Als unter anderem in Niedersachsen Fahrrad-Geschäfte schließen mussten, siedelten mehrere Kunden aus dem benachbarten Wendland in die Hansestadt über. Weiterhin gern genutzt wird aber auch der geschäftseigene Online-Shop.

„Wollen Kunden im Laden haben“

Auch die Beschaffung von Lesematerial gestaltete sich in Zeiten des Lockdowns nicht allzu schwierig. Durchgehend die Türen offen halten durften daher auch Buchläden in der Hansestadt. „Insgesamt ist die Stadt zwar noch recht leer, doch man merkt, dass immer mehr Bewegung und Normalität reinkommt“, erklärt „Der Buchladen“-Angestellte Katrin Pagen. Weiter: „Es gibt Tage, an denen viele Leute unterwegs sind, aber auch Tage, die fast tot sind.“

„Der Buchladen“ war durchgehend geöffnet, was mehrere Kunden nicht wussten.

Vielen Kunden war während des Lockdowns nicht einmal bewusst, dass sie ihre Bücher sogar vor Ort hätten kaufen können. Vermehrt griffen sie daher auf den Online-Shop zurück. „Allerdings ist es auch unser Wunsch, die Kunden bei uns im Laden zu haben und dort zu beraten“, verdeutlicht Pagen. Durch die vielen Bestellungen im Internet – unter anderem bei Anbietern wie Amazon – sind dem Buchfachgeschäft zudem mehrere Kunden weggebrochen.

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