Ruhige Politik auf kleiner Flamme

Nach knapp neun Jahren Pause: Steinitzer Politiker legen wieder los

Knapp neun Jahre nach der bislang letzten Sitzung (die konstituierende nicht mitgezählt) ist am Montagabend wieder ein Steinitzer Rat zusammengetreten.
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Knapp neun Jahre nach der bislang letzten Sitzung (die konstituierende nicht mitgezählt) ist am Montagabend wieder ein Steinitzer Rat zusammengetreten.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Kemnitz – Das hatte es lange nicht gegeben: eine richtige Steinitzer Ratssitzung. Am Montagabend war es nun soweit. Ortsbürgermeisterin Heike Köhler versammelte ihre Räte im Versammlungsraum der Feuerwehr.

Kurzum: Steinitz ist nach knapp neun Jahren wieder im normalen, politischen Alltag angekommen. Vorbei die Zeiten ohne Rat oder mit einer Alleinverantwortlichen.

Die Themen in den Ortsteilen Kemnitz und Ziethnitz sind heutzutage von kleinerer Dimension. Vorbei die Zeiten, als der Gemeinderat Millionen Euro bewegte. Eine Tanne, die gefällt werden soll, ein undichter Hydrant an der Feuerwehr, der nicht gemähte Uferbereich des Löschteichs und andere Probleme bestimmten am Montag die Versammlung.

Kleinere Brötchen werden mittlerweile auch bei den Finanzen gebacken. 100 Euro gab es jeweils für den Schützenverein und für die Ausrichter des Reitturniers, 50 Euro für den Kuhfelder Sportverein sowie ein Präsent für 50 Jahre Erdgasproduktion. Kein Vergleich mehr zu den großen Infrastrukturprojekten, zum vielen Geld für den Märchenpark und legendär-berüchtigten Hubschrauberrundflügen.

Ruhiger geworden ist mittlerweile auch Steinitz´ ehemaliger Bürgermeister Ernst-Otto Schuhl. Bei der Versammlung am Montag war er anwesend – als normaler Einwohner. Er brachte ein Anliegen vor, gab einige Hinweise und verließ nach dem öffentlichen Teil die Sitzung.

Schuhl stand vor neun Jahren an der Spitze der Steinitzer Rebellion gegen die vom Land verordnete Zwangseingemeindung nach Salzwedel. Noch Ende Dezember 2010 gab es zwei Gemeinderatssitzungen hintereinander.

Das Misstrauen gegen die Stadt Salzwedel, den Altmarkkreis und die Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land saß damals tief. Die Steinitzer versuchten, so viel wie möglich von den üppigen Steuereinnahmen für sich zu retten, manche Verschwörung wurde gewittert und sogar ein Dolchstoß-Vergleich bemüht. Doch am Ende nutzte alles nichts – der Weg führte nach Salzwedel.

Nun, neun Jahre später, ist Steinitz wieder aktiv. Bei Fragen um Grünschnitt, Parken und defekte Hydranten.

VON JENS HEYMANN

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