Linke, Freie Wähler und SPD lecken ihre Wunden / 58 Prozent Wahlbeteiligung in Salzwedel

Nach Borchert kommt lange nichts

Wahllokal
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In 27 Wahllokalen konnten in Salzwedel am Sonntag die Erst- und Zweitstimme für die Landtagswahl abgegeben werden.
  • VonArno Zähringer
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Die Hansestadt Salzwedel hat gewählt. Und wie! Als eindeutiger Sieger ging Carsten Borchert (CDU) aus der Landtagswahl hervor und schaffte locker das Direktmandat im Wahlkreis I. Marco Heide (Linke) erreichte bei seiner Premiere ein sehr respektables Ergebnis und konnte AfD-Kandidat Hanns-Michael Kochanowski gerade noch abfangen und ihn auf den dritten Platz in Salzwedel verweisen. Auch Nadine Hofmann (SPD) braucht sich im Vergleich zum Abschneiden der Landes-SPD nicht zu verstecken. Katzenjammer dagegen bei den Freien Wählern. Sie hatten sich deutlich mehr von der Wahl erhofft. Nils Krümmel machte deshalb aus seinem Herzen keine Mördergrube und gab zu, „enttäuscht“ zu sein.

Salzwedel - Carsten Borchert holte in und um Salzwedel fast sämtliche Wahlbezirke – teilweise mit deutlichem Vorsprung. Lediglich in Benkendorf musste er sich Hanns-Michael Kochanowski geschlagen geben. Dagegen räumte Borchert in Rockenthin mit 43,44 Prozent ordentlich ab. Insgesamt konnte er 33,18 Prozent der Stimmen auf sich vereinen (im gesamten Wahlkreis I waren es 36,35 Prozent). Es ist ihm gelungen, die Wähler der CDU zu mobilisieren und sie auf sich einzuschwören. Wenn auch sein sportlicher Vergleich ein bisschen hinkt: „Weltmeister zu werden, ist hart genug. Den Titel zu verteidigen, ist aber noch härter“; trotzdem kann sich Borchert auf seine christdemokratische Schulter klopfen und entspannt in Richtung Magdeburg schauen.

Die Wähler mobilisiert

Einen Achtungserfolg erzielte Marco Heide (Linke). Während seine Partei landesweit gut fünf Prozentpunkte gegenüber 2016 einbüßte und bei 11 Prozent landete, beeindruckte er mit einem Stimmenanteil von 17,88 Prozent. Mit Heides Ergebnis auf Landesebene und dem einen oder anderen Überhang- und Ausgleichsmandat hätte es für den 32-Jährigen klappen können, für die Linke in den Landtag einzuziehen. Darauf hatten in Salzwedel viele Anhänger gehofft, doch angesichts der Pleite im Land blieb lediglich nur die leidige Frage: Was wäre wenn? Heide freute sich jedenfalls über sein Ergebnis und die Tatsache, dass es ihm auf den letzten Metern gelungen ist, sich vor dem AfD-Kandidaten zu platzieren.

236 Wahlhelfer sorgten in der Hansestadt für einen reibungslosen Ablauf der Wahl.

Einzug verpasst

Von „einem guten Versuch“ sprach Hanns-Michael Kochanowski (AfD). Sein Ziel, im Altmarkkreis auf Platz 2 zu landen, habe er erreicht. Auch habe seine Partei das Ergebnis von vor fünf Jahren mit 20,8 Prozent in etwa wieder erreicht. Er freue sich aber vor allem darüber, dass mit Thomas Korell ein Parteikollege über die Landesliste den Einzug in den sachsen-anhaltinischen Landtag geschafft habe. Es sei gut, dass die AfD dort mit einem Vertreter aus der Region einen Sitz habe. In Benkendorf schaffte Kochanowski mit 28,36 Prozent sein bestes Ergebnis in der Hansestadt Salzwedel, dagegen kam er in Riebau auf lediglich 8 Prozent.

Auf dem undankbaren vierten Platz landete in Salzwedel Nils Krümmel, Kandidat der Freien Wähler. Der Gastwirt erreichte mit 11,27 Prozent deutlich mehr Wähler als seine Partei landesweit erzielen konnte. Krümmel hatte auf zehn Prozent bei den Zweitstimmen gehofft. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus, denn die Freien Wähler dümpeln im Land mit 3,1 Prozent vor sich hin und haben damit den Einzug ins Parlament verpasst. Sein bestes Ergebnis in Salzwedel erreichte Krümmel in Seeben mit 21,12 Prozent.

Es geht weiter im Sturzflug

Die SPD befindet sich in Sachsen-Anhalt weiter im Sturzflug und liegt mit 8,4 Prozent in einem historischen Tief. Da könnte man Nadine Hofmann mit ihrem Ergebnis in der Stadt von 9,45 Prozent (im Altmarkkreis 9,69) schon fast einer Hoffnungsträgerin sprechen. Die 20-Jährige aus Pretzier wusste bereits im Vorfeld, dass es angesichts der Konkurrenz nicht einfach werden wird, sich gegen die männliche Konkurrenz zu behaupten. Ihr Ergebnis ist ein Achtungserfolg, das durchaus sozialdemokratische Hoffnungen wecken kann.

19 003 Salzwedeler waren aufgerufen, am Sonntag ihre Stimme abzugeben. 11 058 haben dies auch getan. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 58,19 Prozent. 136 oder 1,23 Prozent der Stimmzettel waren ungültig. In der Hansestadt Salzwedel waren am Sonntag 236 Wahlhelfern im Einsatz.

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