Von Woche zu Woche

Muss man den Wolf jetzt mögen?

Mit offenen Armen wird der Wolf in Sachsen-Anhalt willkommen geheißen. Wir sind Wolferwartungsland – was für ein Name. Der ja auch nicht (mehr) zutrifft, denn der Wolf ist längst da. Erst in dieser Woche war zu lesen, dass er im Drömling Kälber gerissen hat.

Ulrike Meineke

Der Wolf erobert sich in der Altmark Lebensraum – wie schön, ist offiziell nur zu hören. Er reißt zwar Schafe, Ziegen, Kälber und Wild, aber das ist nun mal seine Natur. Die Landwirte können Entschädigungsanträge stellen, aber nur, wenn die Gegend offiziell als Wolfsgebiet ausgewiesen ist. Und nur, wenn Viehhalter Elektrozäune aufgestellt haben, nachdem das erste Stück gerissen wurde. Und was das Wild betrifft – der Wolf nimmt ja nur alte und kranke Tiere, er selektiert. Der Jäger ist eben nicht mehr der einzige Jäger im Revier.

Es gibt in unseren Breiten immer mal wieder Wolfssichtungen. Wolfsgebiet sind wir aber erst, wenn ein komplettes Rudel sicher nachgewiesen ist – gesehen wurde Wolfsnachwuchs u. a. in der Letzlinger Heide und in den Zichtauer Hellbergen. Die offizielle Anerkennung als Wolfsgebiet ist also überfällig. Bei den Einzeltieren handelt es sich vermutlich um umherstreifende Tiere auf Partnersuche. Aber: Pro Wurf bringt eine Wölfin fünf bis neun Welpen zur Welt. Die Jungtiere können sich bereits nach zwei Jahren fortpflanzen. Natürliche Feinde hat Isegrim nicht. Der Wolf ist ein streng geschütztes Raubtier, das nur durch das Märchen vom Rotkäppchen so einen schlechten Ruf hat.

Die Zweifel von Kritikern, dass ein ganzes Wolfsrudel eben nicht selektiert, sind vermutlich berechtigt. Was bedeutet das für unsere Landwirte, für unser heimisches Wild? Okay, das Muffelwild wird wohl aussterben. Seine kurzen Fluchten machen es zur leichten Beute für den Wolf. Das Wildschaf stammt aus Korsika und Sardinien, hat hier sowieso nichts verloren. Was ist mit dem Damwild? Sagt man irgendwann auch, es stammt ja aus Klein- und Vorderasien? Diese kleine Hirschart ist schon seit Ewigkeiten in Europa heimisch – und ein Hauptbeutetier für den Wolf. Er wird es nicht ausrotten, heißt es.

urg-Vorpommern gibt es seit einigen Jahren ein „Bündnis gegen den Wolf“. Warum wohl? Darüber spricht hier keiner. Und: Ist es wirklich nötig, so einen (teuren) Rummel um das Raubtier zu veranstalten? Was kostet das ganze Wolfsmonitoring? Wesentlich mehr, als die Landwirte an Entschädigung bekommen. Das Monitoring bringt Erkenntnisse, für die Praxis nichts. Staatlich finanzierte Elektrozäune würden unsere Nutztiere schützen – das macht praktisch Sinn.

Der Wolf ist (noch) so ziemlich ein Einzelfall, um den eine Menge Wirbel gemacht wird. Er ist nicht böse wie im Märchen – es ist seine Natur, Nutztiere und Wild zu reißen. Aber muss man ihn deshalb mögen? Der Biber ist auch ein Zeichen für eine intakte Natur. Es gibt Gegenden, da richtet er einen radikalen Kahlfraß an. Darüber spricht auch keiner – zumindest nicht laut.

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