Band of Friends spielt sich im „Hanseat“ durch das Songerbe des bekannten, früh verstorbenen irischen Künstlers

Musikgebet für Gitarrengott Gallagher

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Band of Friends ließ die Musik von Rory Gallagher wiederauferstehen. Der vor mehr als 20 Jahren verstorbene Ire war einer der großen Gitarristen seiner Zeit. Seine Musik erfüllte das Salzwedeler „Hanseat“ am Freitagabend.

Salzwedel. Rory Gallagher – wenn dieser Name fällt, weckt er Erinnerungen. Gedanken füllen sich mit dahinfließenden Melodien seiner LP „Photo Finish“ oder der Nummer-eins-Scheibe „Top Priority“. Soundgebilde von perfekter Schönheit werden wieder wach.

Gitarrenspiel auf einer zerschrammten Fender Sunburst-Stratocaster, „Rockpalast“-Abende und Schallplatten, denen man Geheimnisvolles, fast schon Messianisches zuschrieb und die nur schwer erhältlich waren. 

 Am Freitagabend stand die frühere Band vom viel zu früh verstorbenen Rory Gallagher auf der Bühne des „Hanseat“, um dem Gitarrengott zu huldigen; seine Fans kamen in Scharen. Rory Gallagher, der irische Gitarrengigant, starb bereits 1995 im Alter von 47 Jahren. Die Band of Friends frönte seinem unverwüstlichen Werk wie keine andere. Näher dran am Original geht nicht.

„Shadow Play“ – da gab es kein Halten, da wurde getanzt, geklatscht und gefeiert. Eine infernalische Lautstärke erfüllte das „Hanseat“, und Mike Penflick an den Tonreglern des Mischpults sorgte für einen Sound, wie auch ein Rory Gallagher ihn gemocht hätte.

Das Publikum drängte an der Brüstung zusammen. Auf der Fläche unten zeigte der eine oder andere seinen Tanzstil.

Marcel Scherpenzeel aus Amsterdam glich dem Original nicht nur mit seinem Gesang, auch die Bottleneck-Technik des irischen Meisters brachte er perfekt zu Gehör. Ted McKenna aus Glasgow am Schlagzeug spielte von 1978 bis 1981 in der Rory Gallagher Band, davor trommelte er bis 1977 bei der Sensational Alex Harvey Band. Sein Spiel war absolut lässig, als würde er ein paar Brote mit Butter schmieren und sei nur zum Schlagzeug spielen auf diese Welt gekommen.

Auch Gerry McAvoy am Bass war kaum zu bremsen, seine 66 Jahre merkte man ihm keinen Moment an. Wie ein Duracell-Hase schien er über die Bühne zu hopsen, um nebenbei noch Bass zu spielen. Kein Wunder, immerhin zwanzig Jahre hatte er an der Seite Gallaghers verbracht und mit ihm 14 Schallplatten eingespielt – er kannte ihn sicher wie kein Zweiter.

Die Funken des gegenseitigen Verstehens sprühten hin und her. Zum einen innerhalb der Band, genauso aber zwischen Band und Publikum. Spontanität und Unbeschwertheit kennzeichneten das Zusammenspiel des Trios, und das merkten auch die Gäste am Freitagabend. Gitarristen wie Ingo Röper (Vehikel) oder Karsten Döpelheuer (Bordstein) standen an der Reling oben im „Hanseat“ und beobachteten wie gebannt den kompletten Auftritt der Band of Friends.

Nach dem energiegeladenen Konzert sicherte sich mancher Besucher etwas vom Merchandising-Stand.

„Mir standen die Tränen in den Augen“, sagte Bluesbarde Frank „Benne“ Benecke nach dem Konzert. Er kaufte sich ein Buch, ließ es signieren und war wie Hans im Glück unterwegs. „Tattoed Lady“, „Moonchild“ und das jazzangehauchte „Calling Card“ haben eben auch nach Jahrzehnten nichts von ihrem Spirit verloren.

Und mit diesen Worten brachte es Gallagher auf den Punkt, als er noch lebte: „Wenn ich abtreten muss, bleibt wenigstens meine Musik als Erinnerung. Und wenn ich im Himmel ankomme, werde ich Jimi Hendrix als Erstes fragen: What’s going on?“ Den i-Punkt, auch das wurde beim Konzert klar, kann am Ende nur einer setzen, Rory Gallagher selbst.

Von Bernd Zahn

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