„Zaunkönige“ nehmen Aufstellen eines Hygienekonzepts selbst in die Hand

Mit Mundschutz kann man nicht singen

Während ihres kleinen Sommerfestes in Arendsee arbeiteten die „Zaunkönige“ an einem Hygienekonzept, um weiter proben zu können.
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Während ihres kleinen Sommerfestes in Arendsee arbeiteten die „Zaunkönige“ an einem Hygienekonzept, um weiter proben zu können.

Salzwedel / Arendsee – Das Salzwedeler Chorensemble „Zaunkönige“ kann in diesem Jahr auf ein 35-jähriges Bestehen zurückblicken. Mit einer großen Feier und einem Konzert war es leider Essig – Corona machts unmöglich.

Nichtsdestotrotz trafen sich die sangesfreudigen „Zaunkönige“ am Sonntag zu einem kleinen Sommerfest im Jugendwaldheim in Arendsee. Natürlich unter den geltenden strengen Auflagen. Apropos Corona: Wie geht es eigentlich mit unserem musikalischen Leben, unseren Auftritten weiter?, fragten sich die Teilnehmer. „Wir haben seit einem halben Jahr nicht mehr proben können, sämtliche Konzerte sind vorerst abgesagt. Zu unserem traditionellen Weihnachtskonzert wird es sicherlich auch nicht kommen“, sind Zaunkönigin Kerstin Mertens und ihre Mitstreiter traurig.

Schule als Probenraum

Und im Gegensatz zu Gastronomie, Hotellerie, Sportveranstaltungen usw. gibt es für Chöre kein Konzept, das es diesen ermöglicht, ihr Vereinsleben wieder aufzunehmen. „Anders als bei Sportvereinen drängt sich hier der Eindruck auf, dass Kultur – wie so oft – sehr stiefmütterlich behandelt wird“, sagt Kerstin Mertens.

Doch die „Zaunkönige“ lassen sich nicht entmutigen und machen selbst Nägel mit Köpfen. „Wir wollen jetzt selbst ein Hygienekonzept erarbeiten, welches uns hoffentlich bald wieder eine Probenarbeit ermöglicht“, blickt Kerstin Mertens optimistisch in die Zukunft. „Dabei schwebt uns vor, dass wir die Aula der Jeetze-Schule nutzen. Dieser Raum bietet uns die Möglichkeit, in dem vom Gesetzgeber definierten Abstand mit regelmäßiger Lüftung und Desinfektion zu singen“, fasst die Sängerin die ersten Überlegungen aus dem Sommerfest zusammen. Und strahlt: „Glücklicherweise haben wir die Jeetze-Schule dabei hinter uns. Schulleiterin Antje Pochte ist selbst Mitglied des Chores.“

Doch auch beim Altmarkkreis hat man nicht geschlafen. Tatsächlich sind in Sachen Chöre, Bläser und andere Musiker kaum handfeste Verordnungen bzw. Hinweise vorhanden. „Deshalb haben wir uns entsprechendes Material mit Untersuchungen und Erfahrungsberichte von Universitäten und anderen Institutionen besorgt“, sagt Dezernent Hans Thiele. So stützt er sich auf die Hinweise von Wissenschaftlern. Diese stammen unter anderem aus Experimenten an der Universität der Bundeswehr in München mit einer Gastdozentin des Salzburger Mozarteums und Bläsern des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München sowie einer Studie der Berliner Charité im Auftrag von sieben Berliner Berufsorchestern. Dabei ging es insbesondere um die Tröpfchenausbreitung.

Zwei Meter Abstand

Thiele rät deshalb Chören, zwei Meter Abstand zur nächsten Person zu halten, für gute Belüftung zu sorgen, regelmäßig die Hände zu waschen, wenn möglich, Mund- und Nasenschutz zu tragen – oder ganz einfach: im Freien singen. VON HOLGER BENECKE

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