Binationale Heiratslust: Im Altmarkkreis trauen sich nur wenige

Multikulti im Ehebett

teb / zds Altmarkkreis Salzwedel. Liebe überwindet Grenzen, stößt allerdings auch an die Grenzen von Angebot und Nachfrage: Multikulti im Ehebett ist für die meisten Männlein und Weiblein im Altmarkkreis Salzwedel kein Thema.

2014 war die Eheschließung dort in rund 95,5 Prozent der Fälle eine deutsch-deutsche Angelegenheit. Rund 4,0 Prozent waren deutsch-ausländische Verbindungen. In 0,4 Prozent der Fälle waren beide Partner Ausländer. Angebot und Nachfrage definiert sich im Altmarkkreis Salzwedel dabei so: 434 deutsche Frauen sagten ja zur Ehe, aber nur 15 mit ausländischem Pass, denn von denen sind einfach weniger da.

Bundesweit ist die Zahl der Hochzeiten 2014 um 12 297 gestiegen Die Heiratslust im Altmarkkreis Salzwedel hat dazu beigetragen. Dort stieg die Zahl der Eheschließungen um eine an: 449 sind amtlich.

429 der deutschen Bräute wählten einen deutschen Partner, fünf einen ausländischen. Egal ob eine Deutsche einen Österreicher oder Afghanen heiratet oder ein Deutscher eine Philippinin oder Syrerin – unterschiedliche Staatsangehörigkeiten ergeben immer so genannte binationale Ehen.

Bundesweit liegt der Anteil solcher Verbindungen bei 11,6 Prozent, sprich: Jede neunte Eheschließung im Bund ist eine binationale. Übrigens heiraten mehr deutsche Männer als deutsche Frauen binational: 2014 gaben 25 437 deutsche Männer einer Ausländerin das Ja-Wort, aber nur 19 524 deutsche Frauen einem Partner mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Regional schwanken die Anteile freilich stark: Im Altmarkkreis Salzwedel waren es 13 Männer und fünf Frauen mit ausländischen Partnern. Macht 18 binationale Hochzeiten und bei den insgesamt 449 Eheschließungen im Altmarkkreis Salzwedel 4,0 Prozent.

Anders als für die 429 deutsch-deutschen Hochzeitspaare war der Weg in den Hafen der Ehe für manches binationale Paar ungleich schwieriger. Vor allem wenn der Ehepartner aus dem außereuropäischen Ausland stammt, brauchen Heiratswillige Geduld und gute Nerven, um das Hin und Her zwischen Standesämtern, Ausländerbehörden und Botschaften zu bewältigen. Denn viele ausländische Dokumente müssen nicht nur übersetzt, sondern von den Behörden des ausstellenden Staates beglaubigt und von den deutschen Auslandsvertretungen legalisiert werden. Das kann sich monatelang in die Länge ziehen.

An einer standesamtlichen Trauung führt hierzulande im Übrigen kein Weg vorbei. Das gilt auch in Fällen, in denen beide Partner ausländische Staatsbürger sind: Zweimal oder in 0,4 Prozent aller Eheschließungen im Altmarkkreis Salzwedel war dies vergangenes Jahr der Fall. Es gibt allerdings eine Methode, die Bürokratie wenigstens aufs deutsche Maß zu beschränken: Deutsche oder Deutscher werden. Was dann die Statistik an ihre Grenzen führt: In den deutsch-deutschen Ehen des vergangenen Jahres dürften etliche sein, in denen die Beteiligten zwar ausländische Wurzeln haben, aber inzwischen hierzulande als Staatsbürgerinnen bzw. -bürger fest verwachsen sind.

Die Geschichte hat aber deswegen nicht unbedingt ein Happy End: Denn sind die Schmetterlinge im Bauch davongeflogen, sorgen die kulturellen Unterschiede für Streit im Ehealltag. Sagen wenigstens Wissenschaftler vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels und von der University of Liverpool. Sie haben rund 5600 Ehen in Deutschland unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass das Scheidungsrisiko zwischen Personen unterschiedlicher Nationalität um fast zwei Drittel (64 Prozent) höher ist als bei Ehen zwischen Personen derselben Nationalität. Und die werfen ja auch vermehrt das Handtuch – oder auch mal mit Tellern.

Rubriklistenbild: © Landesamt für Statistik

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