Kemnitzer stinksauer auf illegale Entsorger

Altmarkkreis Salzwedel: Mülltouristen erobern die Dörfer

Elektroschrott
+
Nach der Sperrmüllabfuhr ist in Kemnitz Elektroschrott zurückgeblieben. „Der stammt nicht von uns, den haben Mülltouristen hier abgeladen“, ist sich Ortsbürgermeisterin Heike Köhler sicher.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
    schließen

Gleichgültigkeit oder Egoismus? Hauptsache, ich bin meinen Kram los. Dass auf Sperrmüllhafen Sachen landen, die dort nicht hingehören, ist in Salzwedel seit Jahrzehnten gang und gäbe. Nun ist diese Unart auf den Dörfern angekommen. Jüngstes Beispiel: Kemnitz. Nachdem der Sperrmüll abgefahren war, blieb liegen, was dort nicht hineingehört – Elektroschrott.

Salzwedel/Kemnitz - „Es ist eine Schande! Bei uns legt keiner seinem Nachbarn etwas vor die Tür“, sagt Heike Köhler, Ortsbürgermeisterin von Steinitz. Die Ortschafträte sind stinksauer. Und sie wissen: „Das stammt nicht von unseren Einwohnern.“ Und: „Sperrmülltouristen“, ist sich die Ortschefin sicher. Die kommen nicht nur aus Osteuropa in Scharen. Auch die Nachbarn aus dem Wendland und Uelzen sind gern zu Besuch und sichten die Haufen. Hinzu kommen auch jene Bürger aus der eigenen Kommune, die die Sperrmüllhaufen abgrasen. Doch nicht alle nehmen etwas mit. Geben ist seliger denn nehmen, ist keine Sperrmüll-Devise.

Auch wenn die AZ seit über drei Jahrzehnten gebetsmühlenartig schreibt, was in den Sperrmüll gehört und was nicht, viele Menschen schert es nicht. Genauso lange predigt der zuständige Altmarkkreis Gleiches in seinem Abfallkalender.

Würde es offizielle Verkehrszählungen am Tag vor der Abfuhr geben, aufgrund des Fahrzeugaufkommens der Sperrmülltouristen müssten alle Pisten in Salzwedel auf Bundesstraßenniveau ausgebaut werden. Im Halbstundentakt kreisen die Bullis mit den ausländischen Kennzeichen durch die Wohngebiete. Ihnen geht es ums Beutemachen. Ab und an laden deren Besatzungen jedoch auch aus statt ein.

Nun ist die Fremdentsorgung in den Dörfern angekommen. Dort, wo jeder jeden kennt, und alle peinlich genau darauf achten, Ordnung zu halten. „Es ist ärgerlich“, sagt Heike Köhler und ist stolz auf das gepflegte Kemnitz.

Doch: „Dort, wo Müll herumliegt, kommt meistens noch etwas dazu“, äugt sie argwöhnisch auf den zurückgelassenen Elektroschrott. Und dieser wird auf der kreiseigenen Deponie in Cheine sogar noch kostenlos abgenommen.

Doch für die illegalen Entsorger ist es zu Sperrmüllzeiten auch praktisch. Sie sparen sich den Weg zur Deponie, denn nach der Abfuhr kommt der städtische Bauhof und räumt alles blitzsauber auf, entsorgt auch Elektroschrott und anderen Nicht-Sperrmüll. Und das gleich tonnenweise. Denn die Kommune soll ja sauber sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare