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Motorsägengekreische zerschnitt Idyll in Pretzier

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Von: Holger Benecke

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Fällaktion im Wohngebiet Groß Chüdener Weg in Pretzier: Im Zuge des Glasfaserausbaus wurde ein vier Jahre altes Vorhaben umgesetzt. © Privat

Vor einer Woche wurden rund um die Ringstraße im beschaulichen Pretzierer Wohngebiet Groß Chüdener Chaussee die Motorsägen angerissen. Zum Entsetzen einiger Anwohner. Denn etwa zehn mehr als 20 Jahre alte Bäume, die in vollem Grün standen und in dem die Vögel schon eifrig beim Nestbau waren, wurden zu Kleinholz gemacht.

Pretzier - Auftraggeber dafür ist die Stadt Salzwedel. Und lässt damit ein vier Jahre altes Vorhaben umsetzen. „Am 7. Mai 2018 wurde im Ortschaftsrat Pretzier darüber informiert, dass die Gehwegpflasterung im Wohngebiet Groß Chüdener Weg durch die angrenzenden Bäume beschädigt wird. Während dieser Sitzung informierte ein Vertreter von ,Pro Baum‘ darüber, wie die Probleme beseitigt werden können“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Der „Pro Baum“-Mann – es handelt sich um den Pretzierer Birger Buczkowski – hatte bei einem Rundgang geprüft, welche Bäume erhalten werden sollten und welche nicht. Denn ein Lichtraumprofil sei bei vielen Bäumen nicht mehr möglich. 16 Bäume wurden damals „als erhaltenswert“ eingestuft.

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2018 – ein Kugelahorn an der Pretzierer Ringstraße. Der Baum sei kaum gewachsen, stellte der Experte fest. © Heymann, Jens

Überlegungen von 2018 umgesetzt

Inzwischen sind alle – auch die „nicht erhaltenswerten“ – Bäume vier Jahre lang munter weiter gewachsen. Allerdings wurden sie auch nie gepflegt und geschnitten, sodass sich nun auch die Sache mit dem Lichtraumprofil erledigt hat. Aber gerade auf die Pflege hatten nicht nur Guido Hein und seine Frau Sofie immer wieder hingewiesen – vergeblich. Bis sie am Montag Motorsägengekreische in ihrem Idyll am Birkenweg aufschreckte.

Die seinerzeitige Einschätzung von Baumexperten Birger Buczkowski lautete: „Die Masse der Bäume ist nicht richtig entwickelt. Es sind teilweise falsche Baumarten ausgewählt worden“, ist dem Pretzierer zwei Jahrzehnte nach Pflanzen der Bäume aufgefallen. Er folgerte vor vier Jahren, dass von den 43 Bäumen 24 „entnommen“ und neu gepflanzt werden müssten.

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So sah der Plan für die Neubepflanzung für das Wohngebiet von Birger Buczkowski aus. © Heymann, Jens

Das bestätigt auch die gestrige Antwort aus dem Rathaus: „Es wurde sich während der Sitzung (also am 7. Mai 2018 – d. Red.) auf Ausgleichspflanzungen mit heimischen Baumarten geeinigt. Ein Termin für den Beginn der Maßnahme wurde damals nicht festgelegt.

Bei Heins am Birkenweg wurde übrigens eine heimische Baumart – eine Birke – gefällt. „Und die war kerngesund“, ärgert sich das Ehepaar. Doch warum wurde denn jetzt und vor allem zu dieser Jahreszeit gefällt? „Im Zug der Erdarbeiten für die Versorgung mit Breitband-Internet wurde in der vergangenen Woche die Umsetzung vorgenommen“, so die erhellende Antwort aus dem Rathaus. Auf gut Deutsch: Um die Erdarbeiten besser voranzubringen, zog man ein vier Jahre altes Vorhaben aus der Schublade.

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Guido Hein ist entsetzt: Die mehr als 20 Jahre alte Birke vor seinem Grundstück am Birkenweg wurde gefällt. © Benecke, Holger

Gehölze müssen Glasfaser weichen

Weiter ist zu erfahren, dass Nachpflanzungen geplant sind, für die seit gestern die Pflanzlöcher vorbereitet werden. Die neuen Bäume sollen aber weder den Gehweg beschädigen, noch die Befahrbarkeit beeinträchtigen. Und: „Die Nachpflanzungen erfolgen ebenso wie die Entfernung des Altbestandes in Abstimmung mit „Pro Baum“ und dem Ortschaftsrat Pretzier.

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