Wandern von Wittingen nach Boltenhagen

„Mörderische Tour“ für Christian Schäffling: In 14 Tagen rund 430 Kilometer zu Fuß

Christian Schäffling machte bei seiner Wanderung von Wittingen nach Boltenhagen in Salzwedel einen Zwischenstopp.
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Christian Schäffling machte bei seiner Wanderung von Wittingen nach Boltenhagen in Salzwedel einen Zwischenstopp.

Salzwedel – Knapp 40 Jahre war Deutschland geteilt. Der Grenzstreifen wurde Zufluchtsort für mehr als 1200 seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Seit dem Fall der Mauer wurde das Grüne Band vom Bund zum Naturschutzprojekt.

Der Geländestreifen des Grünen Bandes, entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ist fast 1400 Kilometer lang.

Besonders beliebt ist der Weg bei Fahrradfahrern, die den Weg oder einen Teil davon alleine oder als Gruppe entlangradeln. Zu Fuß gehen den Weg wohl wenige. Doch der 24-jährige Student Christian Schäffling hat sich genau das zur Aufgabe gemacht. Er will in 14 Tagen am Grünen Band von Wittingen nach Boltenhagen entlangwandern. Was laut Reiseführer rund 430 Kilometer sind.

Der gebürtige Grünstädtler (Rheinland-Pfalz) studiert gerade Lehramt mit den Schwerpunkten Germanistik und Geschichte. Seinen Master hat der 24-Jährige bereits geschrieben und befindet sich gerade im praktischen Teil des Studiums. Bei einem Seminar der „Erinnerungsorte der Geschichte“ an seiner Uni wurde unter anderem über das Grüne Band referiert. Der Hobbywanderer war sofort Feuer und Flamme. Er wollte den Weg selbst einmal entlanggehen.

2018 war Christian Schäffler bereits auf dem Jakobsweg in Spanien gepilgert. Der Plan des 24-Jährigen war es, diesen noch einmal zu laufen. Doch als ihm Corona einen Strich durch die Rechnung machte, entschied sich der Student für das Grüne Band. Neben dem Wandern gehe er auch viel joggen und sei häufig in der Natur unterwegs. Doch der lange Fußmarsch mache auch ihm zu schaffen. „Das ist schon ein Unterschied, ob man mal am Wochenende rausgeht oder den ganzen Tag unterwegs ist“, gesteht Schäffler, „Aber es macht Spaß, auch wenn es eine mörderische Tour ist.“

Einer der Gedenksteine, die der 24-Jährige fotografierte.

Sonntag, 2. August, ging die Reise los. Von seinem Heimatort Grünstadt fuhr er mit dem Zug nach Wittingen, seinem Startziel. Von dort wanderte er nach Bergen und kam bereits gegen Nachmittag dort an. So entschloss sich der 24-Jährige, einfach noch weiterzulaufen, bis zu seinem nächsten Zwischenziel Salzwedel. „Ich habe total die Orientierung verloren“, lacht Christian Schäffler über sich selbst. Der Grund: Er hat zwar einen Reiseführer dabei, kam jedoch trotzdem vom Weg ab. Nach einem Umweg landete er schlussendlich Sonntagabend in Salzwedel. Nun musste nur noch eine Übernachtungsmöglichkeit her, die er durch Nachfragen auch fand.

Montagmorgen nahm er sein nächstes Etappenziel in Angriff: Arendsee. Bis zum Abend wollte er dort sein. Auf Nachfrage der AZ, wie genau es weitergehen würde, gestand der Hobbywanderer: „Erst einmal mit dem Bus nach Lübbow. Spricht man das so aus? Na ja, und von dort weiter zu Fuß nach Arendsee.“ Dann gehe es unter anderem über Schnackenburg und Lübeck zum Endziel nach Boltenhagen, wie er mit einem Blick in seinen Reiseführer erklärt. Anschließend werde er von Boltenhagen mit dem Zug zurück nach Grünstadt fahren.

Doch wie gefiel dem jungen Mann die Altmark? „Es ist eine schöne Landschaft. Und mir gefallen die alten Gebäude sehr“, offenbart Schäffling. Und sein bisheriges Fazit: „Der Weg, macht einem bewusst, wie groß und verwinkelt das Ganze war. Es ist etwas anderes, das nur in Büchern oder auf Bildern zu sehen.“ VON LYDIA ZAHN

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