Riebauer Ortseingangsschild versetzt / Anwohner ärgert sich über Raser

„Mit 130 km/h aus dem Ort, hinein genauso schnell“

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Holger Dikussar steht an der Straße zwischen Riebau und Pretzier. Vor ihm befindet sich der bisherige Standort des Ortseingangsschildes. Es befindet sich nun deutlich weiter hinten. Der Straßenabschnitt darf wieder mit vollem Tempo befahren werden.

Riebau. Seit Mitte Juni ist der Riebauer Holger Dikussar kein richtiger Einwohner des Ortes mehr. Denn das Straßenverkehrsamt hat das Ortseingangsschild an der Straße zwischen Riebau und Pretzier um mehrere hundert Meter zurückversetzt.

Nun liegt das Einzelgehöft an einer Straße, auf der wieder schnell gefahren werden darf.

„Wer aus dem Ort kommt, fährt 130, wer reinfährt auch“, beschwerte sich Dikussar vor dem versammelten Riebauer Ortschaftsrat. Und das, obwohl er eine Bushaltestelle vor dem Haus hat. Dikussar weiter: „Wozu seid ihr hier, wenn sowieso niemand Bescheid sagt?“

Das Ortsschild in Richtung Pretzier ist laut des Riebauers schon des Öfteren hin- und hergewandert. Früher habe es am Abzweig des Plattenwegs zum ehemaligen LPG-Gelände gestanden. Vor rund fünf Jahren sei es dann vor sein Haus gekommen, wo es sich bis vor wenigen Wochen befand.

„Am Freitag, 19. Juni, war es dann verschwunden“, führt Holger Dikussar weiter aus. Eine Auskunft durch den Altmarkkreis habe es nicht gegeben; er sei vollkommen ahnungslos.

Die Gründe für das Ortstafelversetzen erfragte die Altmark-Zeitung beim Kreisstraßenverkehrsamt. Demnach hatte Holger Dikussar einen Antrag auf Geschwindigkeitsreduzierung (30 km/h) vor seinem Haus gestellt. Doch dieser sei abgelehnt worden, ebenso ein Widerspruch vor dem Landesverwaltungsamt.

Dabei nahmen sich die Sachbearbeiter auch gleich Riebaus Ortseingangsschild vor. Laut einer Verwaltungsvorschrift muss die Ortstafel dort stehen, wo die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten für den ortseinwärts Fahrenden erkennbar beginnt. Und hier nun die Krux für Holger Dikussar: Dies gilt ungeachtet einzelner Grundstücke, also seines Hauses vor Riebau. Ein Fakt, der auch dem Einwohner mitgeteilt worden sei, heißt es in einer Antwort des Straßenverkehrsamts. Entsprechend wurde das Schild versetzt.

Zur Sache mit dem Ortsschild konnten die Ortsräte nicht viel sagen. Sie nahmen es vielmehr als Anlass, sich über die Informationspolitik übergeordneter Stellen zu ärgern. „Ich bekomme ja nicht einmal mit, wer im Dorf ein- und auszieht“, entgegnete Ortschef Wilfried Bettziche mit Hinweis auf Datenschutzbestimmungen. „Dass ich nicht informiert worden bin, geht gar nicht“, so Bettziche. „Ich kann somit dem Ortschaftsrat nichts mitteilen.“

Von Jens Heymann

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