Archäologe Dr. Uwe Fiedler wacht mit Argusaugen über die Baustelle Burgstraße

Salzwedel: Mischwasserleitung ist 126 Jahre in Betrieb

Baustelle
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Während ihrer Arbeit stoßen die Tiefbauer immer wieder auf archäologische Funde. Unter anderem auf eine alte Wasserleitung aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.
  • Holger Benecke
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Während der Ausbau der Burgstraße zwischen Fußgängerzone und Amtsgericht zügig voranschreitet, fördern die Tiefbauer zahlreiche Stücke aus der Geschichte der alten Hansestadt zutage. Darüber wacht Dr. Uwe Fiedler vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie aus Halle. Und kann auch schon die ersten Befunde deklarieren.

Salzwedel - So brachten die Tiefbauer Teile einer alten Wasserversorgung ans Tageslicht. Dr. Fieder zeigte sich über deren noch sehr guten Zustand erfreut. Und sprach den damals tätigen Handwerkern nachträglich ein dickes Lob aus: „Eine sehr gute Arbeit.“

Archäologe lobt solide Handwerkerarbeit

Etwa 1,80 Meter unter der Oberfläche entdeckten die Bauarbeiter vor dem Haus Nr. 58 einen sogenannten Setzkasten. Dieser ist 127 mal 95 Zentimeter groß und aus massiven Eichenbohlen hergestellt worden, die sieben Zentimeter dick sind. Die Höhe des Senkkastens, der in die alte Wasserleitung eingearbeitet war, damit sich darin Schwebstoffe absetzen konnten, maß der Archäologe mit 43 Zentimeter. Er vermutet aber noch weitere Holzlagen darunter. Doch tiefer werden die Bauarbeiter nicht graben, das ist nicht vorgesehen.

Der in der Burgstraße geborgene Senkkasten ist in einem sehr gut erhaltenen Zustand.

Zugleich diente der Senkkasten als Verteiler für die Frischwasserzufuhr. Denn auch eine daran angeschlossene Holzwasserleitung kam bei den Arbeiten 2,10 Meter unter dem Straßenpflaster zum Vorschein. Diese besteht aus Baumstämmen mit einem Durchmesser von 30 bis 40 Zentimetern.

Der Archäologe erklärt: „Die Stämme wurden aufgespalten und gewissermaßen entkernt, sodass, nachdem sie wieder zusammengesetzt worden waren, ein Rohr mit zwölf bis 13 Zentimetern Durchmesser entstand.“ Dr. Fiedler ordnet das Wasserbauwerk dem 19. Jahrhundert zu. „Es könnte auch aus dem 18. Jahrhundert stammen“, will er genau durch eine dendrochronologische Untersuchung testen lassen.

Jahresringe geben genauen Aufschluss

Kurz gesagt, werden dabei die Jahresringe des Holzes untersucht. Anhand von Vergleichsproben ist dann eine recht genaue, zeitliche Zuordnung möglich. Das gesamte Wassersystem war zudem mit rauem Ton abgedichtet, hat der Archäologe herausgefunden. Die alte Wasserleitung lag neben einer Mischwasserleitung, die seinerzeit aus Mannheim bezogen und 1895 eingebaut worden war. Spannend: Diese Leitung verrichtet bis heute im 126. Jahr immer noch ihren Dienst und wird nun im Zuge der Bauarbeiten ersetzt.

Dr. Uwe Fiedler sichtet derweil die weiteren Funde. Der Archäologe hat – wie alle Baubegleiter seiner Zunft – Quartier im Hungerturm an der Salzwedeler Stadtmauer zum Park des Friedens bezogen. Dort hat er sein vorübergehendes Büro eingerichtet und untersucht auch den kleinsten Fund. Was ihm dabei unter die kundigen Finger kommt, wird ins Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie nach Halle gebracht und dient dort weiteren Forschungen.

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