Rohre sind heiß / Bis 30 Grad Celsius in den Wohnungen

Mieter flohen vor der Heizungs-Hitze

Fred Matzky packte gestern den Koffer und floh in seinen Garten. In seiner Wohnung herrschten bis 30 Grad Celsius. Die Heizungsrohre waren immer noch kochend heiß. Foto: Benecke

Salzwedel. „Ich ziehe aus!“ Fred Matzky hat den Koffer gepackt. Will in seinen Garten flüchten. Denn in seiner Wohnung an der Ernst-Thälmann-Straße 101 hält er es nicht mehr aus. In den Räumen herrschen Temperaturen von 28 bis 30 Grad Celsius.

Kein Wunder, der Block wird noch beheizt.

Matzky und auch seine Nachbarn haben zwar die Heizungen abgedreht, doch in den Rohren steht das heiße Wasser. Ventilatoren helfen wenig, quirlen die schwülwarme Luft nur durch.

„Seit Oktober wird geheizt. Im vergangenen Jahr haben sie erst Ende Juni abgestellt“, sagen auch Günter Wiesejahn (80) und seine Frau Heide (72) aus dem Nachbareingang. „Sie“ – das sind die beiden Großvermieter in der Hansestadt, Wohnungsbaugenossenschaft und -gesellschaft, die gemeinsam den Heizstrang betreiben.

Verwunderung gestern bei der Wohnungsbaugenossenschaft, dem Vermieter von Matzky und Wiesejahns. „Wir haben am Montag beraten und am gleichen Tag wurde um 13.30 Uhr die Heizung abgestellt“, sagte Vorstand Ulrich Meise. Doch gestern Mittag waren die Rohre an der Thälmannstraße noch brüllend heiß. Bis zum Abend sollten sie sich abkühlen, versprach Vorstand Meise. Grund für das lange Heizen seien Beschwerden von Mietern, vor allem Älteren und Familien mit Kleinkindern gewesen, denen es in den Wohnungen noch zu kalt war. „Vergangenes Wochenende herrschten in einigen Wohnungen nur 17 Grad Celsius“, so der Vorstand.

Fred Matzky jedenfalls reichte es gestern. Der Arbeitssuchende, der die meiste Zeit zu Hause verbringt, hielt es in den eigenen vier Wänden nicht mehr aus. Er floh vor der Hitze in seinen Garten.

Von Holger Benecke

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