Schliekau: „Fass ohne Boden“ / Hundt: „Fördermittel und Arbeit“

Mehrheit will Tylsener Ruine sichern

Die Tylsener Schlossruine: Das Hauptportal wurde bereits 2016 für 100 000 Euro gesichert. Ab September sollen der rechte und der linke Flügel für weitere 180 000 Euro stabilisiert werden.
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Die Tylsener Schlossruine: Das Hauptportal wurde bereits 2016 für 100 000 Euro gesichert. Ab September sollen der rechte und der linke Flügel für weitere 180 000 Euro stabilisiert werden.

Salzwedel – Der zweite Bauabschnitt zum Erhalt der Tylsener Schlossruine soll in Angriff genommen werden. Das zumindest will der Bauausschuss, der das Projekt am Montag absegnete.

Für die Stadt fallen dabei Kosten von rund 45 000 Euro an – ein 25-prozentiger Eigenanteil der rund 180 000 Euro Gesamtkosten. Die Fördermittel kommen aus EU-Töpfen.

Konkret geht es bei dem Vorhaben um die Sicherung der beiden Ruinenflügel. Das Hauptportal war bereits 2016 in einem ersten Bauabschnitt für rund 100 000 Euro gesichert worden. Der zweite Bauabschnitt soll nun zwischen September diesen und November nächsten Jahres umgesetzt werden.

„Ich habe bereits vor 21 Jahren einen Antrag gestellt“, erinnerte Salzwedels Bürgermeisterin Sabine Blümel, die damals noch Tylsens Bürgermeisterin war. Darin sollte eingeschätzt werden, was im Ort machbar wäre. „Es ist nicht alles zu verwirklichen – halb Tylsen steht unter Denkmalschutz“, so Blümel.

Bauausschussvorsitzende Sabine Danicke bewegte eine Frage besonders. Der Blümel-Antrag von 1999 beinhalte drei Bauabschnitte mit einem Umfang von 828 000 Euro. „Bleibt es dabei oder wird es mehr?“, fragte Sabine Danicke. „Da waren der Brückenbau und alles andere mit drin. Das findet nicht statt“, erläuterte Sabine Blümel. Es gehen nur um die weitere Sicherung des noch stehenden Mauerwerks, ergänzte Bauamtsleiterin Martyna Hartwich.

Gegenwind kam von Karl-Heinz Schliekau (CDU): „Auch wenn es nur 45 000 Euro aus der Stadtkasse sind, es ist aber immer noch ein Fass ohne Boden. Lasst die Schlossruine doch so stehen, wie sie ist, und wenn sie zusammenfällt, dann ist das so.“ Er werde dem Vorhaben seine Stimme verweigern, machte der Stadtrat deutlich.

Ähnlich argumentierte auch Roland Karsch (AfD). Er verwies auf zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude in Salzwedel, die eine Sanierung nötiger hätten. Auch das Tourismus-Argument im Bezug auf die Schlossruine schlug er aus dem Feld: „Ich glaube nicht, dass sich so viele nach Tylsen verirren.“

Marco Heide (Linke) wandte sich gegen eine Katalogisierung der Denkmale in erster und zweiter Ordnung. Das Tylsener Schloss sei ebenso ein Denkmal wie die Salzwedeler Stadtmauer. „Wir bekommen erst einmal Geld und können das Schloss sichern. Vielleicht können wir dort in 20, 30 Jahren weitermachen“, votierte er für eine weitere Sicherung.

Das sah auch Norbert Hundt (SPD) so. „Lohnt es sich, ein Denkmal zu erhalten“, fragte er. Und beantwortete selbst: „Ja, es lohnt sich. Wir bekommen auch noch Fördermittel und Arbeit in die Region. Wir wollen das Schloss ja nicht wieder aufbauen.“ Holger Lohne (SPD) riet, den Tourismusfaktor nicht zu unterschätzen: „Mit Zielen für Radtouristen sind wir ohnehin spärlich besetzt.“ In der folgenden Abstimmung sprachen sich Karl-Heinz Schliekau und Roland Karsch gegen eine weitere Sicherung der Ruine aus, Martin Schulz (Bündnis 90 / Grüne) enthielt sich – die Mehrheit folgte dem Antrag.

VON HOLGER BENECKE

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