Corona: Landrat lud online zum Stammtisch / Reges Interesse der Gastronomen / Keine Familienfeiern

Mehr Kontrolle als Service am Gast

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Urte Hermann vom Winterfelder Landhotel „Wieseneck“ verfolgte wie auch mehr als 30 andere Gastronomen aus dem Altmarkkreis die Videokonferenz des Landrates.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Corona: Wie händeln Campingplatzbetreiber den für den Sommer zu erwartenden Touristen-Ansturm am Arendsee? Gilt ein Test, der bei einem Gastwirt gemacht wurde rund um den See? Warum brauchen Märchenparkbesucher keinen, Café-Besucher in der Außengastronomie aber einen Test? Wann sind wieder Familienfeiern möglich?

Salzwedel - Viele Fragen hatte Landrat Michael Ziche am Mittwoch während einer Videokonferenz mit Gastronomen zu beantworten. Manche blieben auch offen. „Das, was ich Ihnen nicht geben kann, ist Sicherheit“, stellte Ziche gleich zu Beginn klar. Der Kreischef hatte einen ganzen Stab von Mitarbeitern aufgeboten, um den Gastronomen während der Videokonferenz unter die Arme greifen zu können. Mehr als 30 Hoteliers und Wirte waren dabei.

Das gilt draußen, das gilt drinnen

Ziches Bürochefin, Inge Otte-Sonnenschein, ging noch einmal auf die den Gastronomen seit dem Vortag bekannte 13. Eindämmungsverordnung ein. Dezernent Hans Thiele nahm das Papier in Bezug und Beherbergung auseinander. „Ohne Paragrafen“, wie er betonte – aber verständlich übersetzte er aus dem Amtsdeutsch.

Thiele führte aus: Innengastronomie geht bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 von 6 bis 22 Uhr. Pro Tisch dürfen nur Personen aus höchstens zwei Hausständen Platz nehmen. Der 1,50-Meter-Abstand muss eingehalten werden. Die Wirte dürfen nur je 2,5 Quadratmeter einen Gast platzieren. Und auch alle anderen Hygieneregeln – Desinfektion Masken, Abstand etc. – gelten weiterhin.

Weiterhin dürfen die Gasträume nur mit einem negativen Test betreten werden. Dieser darf nicht älter als 24 Stunden sein und muss vorgelegt werden. Außerdem müssen die Gastronomen Anwesenheitsnachweise führen.

Für die Außengastronomie gilt bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 keine zeitliche Begrenzung – nur die der Sperrstunde. Heißt: Um 1 Uhr muss dichtgemacht werden. Dort gilt der Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Gästen und Tischen. Ebenso ist die Fünf-Personen-Regel pro Tisch in Kraft. Diese müssen zum Hausstand gehören oder Verwandte sein. Möglich sind aber auch fünf Personen unabhängig von der Anzahl der Hausstände. Vollständig Geimpfte und Genesene werden bei der Zählung nicht berücksichtigt. Auch in der Außengastronomie muss ein negativer Test vorgelegt werden, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Letzterer muss auch bei einer Beherbergung (Hotel, Pension usw.) vorgelegt werden und muss während eines längeren Aufenthaltes aller 48 Stunden wiederholt werden. Und da beginnen die Probleme: Katrin Reinecke von der Arendseer Luftkurort GmbH, die den Campingplatz betreut, weiß nicht, wie sie den immensen Kontrollaufwand bewältigen soll. Sie hat 320 Dauercamper aus Deutschland und europäischen Staaten. „Eine ständige Kontrolle ist nicht machbar“, konstatiert sie.

Immenser Aufwand

Und: „Pfingsten war schon ziemlich heftig. Was ist, wenn die Badesaison losgeht und Tausende nach Arendsee kommen?“ Ihre Kapazitäten reichten geradeso für die Einheimischen, schildert sie. Zudem gebe es in Arendsee nicht genügend Testmöglichkeiten.

Der Landrat verwies darauf, dass der Kreis zwar testberechtigt, aber nicht testverpflichtet sei. „Sie kommen aus der unternehmerischen Verantwortung nicht heraus. Sie sind pflichtgemäß für die Einhaltung der Regelungen zuständig“, entgegnete Ziche. Die Testmöglichkeiten in Klötze, Kalbe und Arendsee seien „unzureichend“, räumte Ziche ein. Der Landkreis könne keine Testzentren vorhalten, es gebe jedoch viele Angebote aus der privaten Wirtschaft. An Katrin Reinecke mit ihrem Problem mit Dauercampern und der bald beginnenden Badesaison gewandt, sagte der Landrat: „Das befürchtete Szenario werden wir Ihnen nicht nehmen können.“

Auch der Arendseer Gastwirt Marek Weiß sprach diese Problematik an. Er habe am Pfingstwochenende zirka 100 Tests mit Gästen gemacht. „Gilt dieser Test dann auch bei anderen Gastronomen, wenn die Gäste beispielsweise einen Seerundgang machen? Oder müssen sie bei jedem Wirt einen Test machen?“, wollte Weiß wissen. Auch bot er sich an, selbst ein Testzentrum aufmachen zu wollen.

Verwirrung: Mit Test und ohne Test

Das Thema Test bewegte auch Rosemarie Lehmann (Salzwedeler Baumkuchen GmbH). Während in ihrem Café „Adlerhorst“ am Salzwedeler Rathausturmplatz für die Außengastronomie ein Test vorgelegt werden musste, war dies im Märchenpark nicht notwendig. Die Gäste, die von dort kamen, hätten auch in Lehmanns Café ungetestet gewollt und mit Unverständnis reagiert. „Selbst im Magdeburger Zoo brauche ich einen Test“, sagte Rosemarie Lehmann und wollte den Unterschied zum Märchenpark erläutert haben.

Dafür gebe es eine Sonderregelung, erläuterte Dezernent Hans Thiele. Doch Rosemarie Lehmann war nicht zufrieden. Auf dem Rathausturmplatz hätten die Eisesser und andere dicht bei dicht auf den Bänken gesessen. Diese bräuchten keinen Test – sie müsse an ihrem Café gleich gegenüber einen verlangen.

Landrat Michael Ziche versprach, das Problem mit Salzwedels Bürgermeisterin zu besprechen. Und auch in allen anderen Fragen riet er den Gastronomen, sich an sein Ordnungsamt zu wenden, um eventuelle Probleme gleich im Vorfeld ausräumen zu können.

Familienfeiern: Warten auf den 13. Juni

Der frisch gebackene Leiter des Gesundheitsamtes, Ramon Rulff, erläuterte die Kontaktverfolgung mittels der von den Gastronomen geführten Listen. Dabei ging es einmal um mögliche Fälschungen der entsprechenden Corona-Papiere und auch die Luca-App. Bei dieser muss jeder seine Daten selbst eingeben. Diese können die Gesundheitsämter – und nur diese – bei Bedarf abrufen. Für die Gastronomen ist das eine sehr große Erleichterung.

Abschließend gab der Sachgebietsleiter Wirtschaftsförderung des Altmarkkreises, Christian Wiemann, den Gastronomen noch Tipps, wo und welche Unterstützung sie beantragen und bekommen können. Der Landrat und seine Mitarbeiter hatten die noch offenen Probleme aufgenommen und versprachen, dies individuell mit den Betreffenden zu klären.

Die gegenwärtig geltende, 13. Eindämmungsverordnung sieht keine weiteren Erleichterungen vor, auch wenn die Inzidenz unter 50 sinken würde. Damit gibt es auch für die Frage, wann Familienfeiern wieder möglich sind, eine klare Antwort: vorerst nicht. Die nächste Verordnung wird am 13. Juni erwartet.

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