Zwei Beamte, die das Publikum gern hat: Baumann und Clausen unterhalten das Salzwedeler Kulturhaus

Mehr Bürokratie wagen, bingo!

„Die Schoff“ mit Baumann und Clausen – ein Programm im Ghetto der Zeitlosigkeit eines Beamten zwischen braunem Holzlineal und zwei schräg angeordneten gelben Bleistiften der Härte 2 für die Ablehnung des Bauantrags. Fotos (4): Zahn
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„Die Schoff“ mit Baumann und Clausen – ein Programm im Ghetto der Zeitlosigkeit eines Beamten zwischen braunem Holzlineal und zwei schräg angeordneten gelben Bleistiften der Härte 2 für die Ablehnung des Bauantrags.

Salzwedel. Sie sind die Meister der Behördenkunst. Am Freitag gastierten Oberamtsrat Alfred Clausen und Hans Werner Baumann mit ihrer „Schoff“ im Salzwedeler Kulturhaus.

Wenn auch einige Witze schon einen solch langen Bart haben, dass er auf dem Boden schleift, ist die Show auch ein wehmütiger Rückblick auf 25 Schaffensjahre. Da sammelt sich auch mancher Staub auf den Gags.

Hans Werner Baumann und Alfred Clausen – dahinter verbergen sich Jens Lehrich (l.) und Frank Bremser.

Und die kleinen Wehwehchen stellen sich ein. So hatte Baumann einen eingeklemmten Nerv, Clausen aber etwas gegen alternative Medizin. Die mache ihm Angst, denn man könnte ja wieder arbeitsfähig werden. „Du hast ein gefährliches Porzellan-Syndrom, Clausen.“ „Was ist das denn?“ „Du hast nicht alle Tassen im Schrank.“

Da wurde munter über eine Wertverlustversicherung debattiert, da kam Peter Zwegert vorbei, um Baumann aus der Schuldenfalle zu katapultieren, in die ihn seine Frau Gertrud immer wieder reißt.

Aber auch der eine oder andere Witz durfte nicht fehlen. „Was haben eine Frau und eine Handgranate gemeinsam? Ziehste den Ring, ist das Haus weg.“ Und immer wieder erschallte vom Publikum ein lautes „Bingo!“ Eigentlich wollte Oberamtsrat Clausen, seine Frau Ella mitbringen, aber die ist zu Hause und bereitet alles für einen flotten Dreier vor – italienisch, deutsch, französisch, also das Abendessen. Und da gehören Hackbraten und braune Soße immer dazu.

Großes Publikum im Kulturhaus: Vielleicht hat sich so mancher Beamter den einen oder anderen Trick für die Arbeit abgeschaut.

„Ehe ist ein schwieriges Geschäft“, sangen die beiden Entertainer süffisant, die im richtigen Leben Jens Lehrich (Baumann) und Frank Bremser (Clausen) heißen. Das Publikum klatschte immer fleißig mit. Denn wenn so ein Oberamtsrat im Saal ist, da seien die Frauen kaum zu halten, meinte Clausen.

Überstunden nach der Show im Foyer: Die beiden Entertainer erfüllten den Zuhörern antragslos jeden Autogrammwunsch.

Bürokratie 2017 – die ist inkompetent, intolerant und immer bestechlich; gleichzeitig auch Clausens Beamtendevise. Da schaukelt der Genehmigungsstempel einer zarten Ballerina gleich auf dem Stempelständer und wird niemals das Blau des Stempelkissens berühren.

Wie auch immer. Eines wurde klar – das Motto muss lauten: mehr Bürokratie wagen, gerade in diesen digitalen Zeiten, wo am Ende zwei Drittel der Beamten bis 2030 abgeschafft werden sollen. Hauptsache nicht diese beiden Speerspitzen des deutschen Beamtentums.

Der Applaus wollte gar nicht abreißen, also schmetterten Jens Lehrich und Frank Bremser noch ein feines Liedchen unter die Leute. Und nach der Show gab es im Foyer noch fleißig Autogramme.

Von Bernd Zahn

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