Von Woche zu Woche

„Marketingwege“: Papier ist geduldig

Wenn man eine Region oder eine Stadt vermarkten will, dann braucht das kreative Ideen. Was ist in Salzwedel passiert? Die Hansestadt wirbt mit einem modernen Logo, das den stilistisch-abstrakten, schiefen Marienkirchturm, Salzwedels Wahrzeichen, symbolisiert.

Darunter steht „Die Baumkuchenstadt“, alles wird quasi umrahmt von zwei geschwungenen Linien, die Wellen darstellen und damit den Bezug zur Hanse herstellen sollen. Die vom Stadtrat im Oktober 2010 beschlossenen „Marketingwege Salzwedel 2030“ sind auf öffentlichen Sitzungen kaum noch ein Thema – auch wenn die Verwaltung intern an dem einen oder anderen Punkt arbeitet. Unter „Idee Nr. 6“ steht dort beispielsweise „Stadt ohne Barrieren“. Bis heute ist das Rathaus nicht barrierefrei. Wenn der Stadtrat im Festsaal tagt oder dort Festveranstaltungen stattfinden, sind die Treppen für Gehbehinderte unüberwindbar. Und das im Jahr 25 nach der Wende! Ein Lifteinbau scheitert am Geld, die Teilnahme an einem entsprechenden Förderwettbewerb war erfolglos. Kletterstrecke/Hochseilpark – ebenfalls eine Marketingidee – Fehlanzeige, bisher zumindest. Genauso wie „öffentliche Toiletten“. Die Aktion „Nette Toilette“, einst vom Jugendstadtrat angeschoben, ist nichts geworden – den Jugendstadtrat gibt es nicht mehr. Der „Fall Altperverstraße“ ist zwar aufgelistet, passiert ist (noch) nichts. Der Bürgerhaushalt, an dem sich die Salzwedeler beteiligen konnten, ist mangels Kapazitäten im Rathaus eingeschlafen. Unter „Rathaus“ ist vermerkt: „Aushängeschild von Stadtrat und Verwaltung“. Äußerlich mag das stimmen. Aber ein Rathaus mit Barrieren ist kein Aushängeschild. Der gestorbener Wochenmarkt auf dem eigens dafür für viel Geld hergerichteten Marktplatz hat der „Marktoffensive“ einen herben Schlag versetzt. Und was ist mit dem Projekt „Wegzeichen – die neuen Ortseingänge“? Ein einziges Schild gibt es – die Initiative ergriffen die Stadtgeister. Die thematische Kreisel-Gestaltung wurde angegangen, behindert aber den Verkehr und ist daher nach wie vor in der Schwebe ... Eine Jugendherberge wollte man schaffen – es hat nicht geklappt. Die „Marketingwege 2030“ sind auf das Jahr 2030 ausgerichtet, sodass aus dem einen oder anderen Gedanken noch etwas werden mag. Hoffen wir es. Umgesetzt wurde beispielsweise die Info-Broschüre, an einem neuen Web-Outfit arbeitet man derzeit. Was die Stadt wirklich pflegt, ist der Hansegedanke. Das Hansefest war wieder schön, eine Delegation von Stadtbediensteten besucht die Feste in anderen Hansestädten. Mit der offiziellen Aussage, dort für Salzwedel zu werben. Mag sein, solche Feste haben aber auch angenehme Aspekte. Da nimmt Salzwedel alles mit. Die eigentliche Werbung für die Stadt machen aber andere. Der Märchenpark zum Beispiel, die Baumkuchenbäcker. In der Tourist-Information gibt es seit langem keine neuen Ideen mehr, die dort vermarktet werden. Da freut man sich doch über den Diesdorfer Matthias Schulz, der den ersten Whisky für die Altmark entwickelt hat und vermarktet. „Oldmark“ heißt der Single-Malt-Whisky und zeigt auf dem Etikett eine altmärkische Bockwindmühle. Es gibt viele schöne Ideen von Privaten, denen die Region, ihre Heimat, am Herzen liegt. Bleibt zu hoffen, dass der neue Stadtrat neue Akzente setzt, dass die Ärmel hochgekrempelt werden und nicht mehr alles zerredet wird.

Von Ulrike Meineke

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