„Mensch gibt den Zuschlag“

Marc Kinkeldey erklärt aktuelle Wetterphänomene

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Der aus der Altmark stammender DWD-Experte Marc Kinkeldey (39) erklärt aktuelle Wetterphänomene. Er ist der stellvertretender Leiter der Bergewetterwarte auf dem Brocken.

Altmark / Brocken – Marc Kinkeldey, dessen Familie aus Osterburg stammt, erforscht in der Bergwetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seit 2001 Klimaveränderungen auf dem 1.142 Meter hohen Brocken.

Als stellvertretender Leiter der örtlichen Wetterwarte hat der 39-jährige Altmärker für die Altmark-Zeitung die aktuellen Wetterdaten bereitgestellt: „Also aktuell ist typisches Brockenwetter: Nebel, Sturm, Glatteis und gute 65 Zentimeter Schnee“, so Kinkeldey. Er erklärt auf Anfrage seine ganz persönliche Meinung zum Thema Nummer eins beim Wetter: „In Sachen Klimaveränderung möchte ich nicht auf den Zug aufspringen. Wir befinden uns in einer Zeit der natürlichen Erwärmung und der Mensch gibt den Zuschlag.“

Der Borkenkäfer hat in den Monokulturen am 1.142 Meter hohen Brocken stark gewütet.

Doch wie viel? „Auf dem Brocken war 2018 jedenfalls nicht das wärmste, trockenste oder sonnigste Jahr“, bemerkt der Wetter-Experte. Da gab es in der langen Brockenreihe seit 1836 einige Jahre, in denen deutlich mehr Sonne und weniger Niederschlag gemessen wurden. Dennoch sei es schon ein außergewöhnliches Jahr, was sicherlich nur alle paar Jahrzehnte mal vorkommt. „Warten wir also ab, was die nächsten Jahre so bringen“, so der Mann vom Deutschen Wetterdienst. Rings um den Brocken hat in den vergangenen Wochen jedenfalls nicht nur der Sturm gewütet. Es ist eher der Borkenkäfer und der Mensch, der im Nationalpark Harz per Verwaltungs-Beschluss von heute auf morgen aus einer ehemals forstlich intensiv genutzten Fichten-Monokultur einen wilden Urwald machen wollte. Eine verhängnisvolle Fehlentscheidung, wie viele Kritiker meinen.

Rau und wechselhaft: Das Klima auf dem Brocken. Halbstündlich gehen Wettermeldungen raus. Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst gesammelt und ausgewertet.

Mit 10,4 Grad Celsius lag im Jahr 2018 der Temperaturdurchschnitt laut DWD um 2,2 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung nach oben 1,8 Grad. 2018 übertraf damit den bisherigen Rekordhalter 2014 um 0,1 Grad und ist das wärmste Jahr seit Messbeginn 1881.

Sturmschäden sind überall deutlich zu sehen.

Heißester Ort war Bernburg an der Saale mit 39,5 Grad Celsius. Und zwar am 31. Juli. Halbstündlich geben Marc Kinkeldey und seine Kollegen Wettermeldungen vom Brocken raus – zuverlässig, 365 Tage im Jahr. Das Klima auf dem Brocken ist rau und wechselhaft. Das Jahr 2018 erreichte laut DWD mit rund 590 Litern pro Quadratmetern nur 75 Prozent seines Klimamittelwertes von 789 Litern pro Quadratmetern. Damit gehört es zu den niederschlagsärmsten seit Beginn regelmäßiger Messungen 1881. Von Februar bis November blieben zehn Monate in Folge zu trocken. Den insgesamt wenigsten Regen und Schnee erhielten einige Orte in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit nur rund 250 Litern pro Quadratmetern.

Von Kai Zuber

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