Mandy Beneke berät Zahlungsunfähige und die, die kurz davor stehen

In der Schuldenfalle

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Mandy Beneke vom Diakonischen Werk Altmark West hat viel zu tun. Die Schuldner- und Verbraucher-insolvenzberaterin vergibt mehrere hundert Termine pro Jahr.

Salzwedel. Der neu abgeschlossene Handyvertrag oder die langfristig doch zu geringe Rente – Wege in die Schulden gibt es viele. Hinaus führen hingegen nur wenige.

Eine Möglichkeit, als Privatperson den roten Zahlen zu entkommen, ist die Schuldnerberatung. Mandy Beneke vom Diakonischen Werk Altmark West, einem Verein, führt jährlich rund 350 solcher Beratungen. Und kommt es ganz dicke, steht oftmals nur der Gang in die Privatinsolvenz an. Auch damit hat Mandy Beneke reichlich zu tun. Allein 2013 gab es 134 Beratungen zur Zahlungsunfähigkeit. Wer einen Termin wünscht, muss aber etwa zwei bis drei Monate warten.

„Zu mir kommen Menschen quer durch die Bank“, erklärt die Beraterin. Gescheiterte Selbstständige, Normalverdiener, Hartz-IV-Empfänger gehören dazu, ebenso alte Menschen und junge Erwachsene. Die Gründe sind häufig Scheidung, Suchtverhalten, geringes Einkommen oder der Tod eines Nahestehenden. „Rentner haben es gelernt, Schulden zu bezahlen“, so Mandy Beneke. Und führt fort: „Aber manche geraten an eine Grenze. Dann suchen sie Hilfe.“

Die Beratungen beim Diakonischen Werk sind kostenlos. Jeder müsse sich nur dazu überwinden, weiß die Expertin. Sitzt dann jemand im Büro von Mandy Beneke, heißt es für sie zunächst, Vertrauen aufzubauen. Dann müsse auch geklärt werden, was derjenige will – eine unverbindliche Beratung oder einen konkreten Plan zum Schuldenabbau.

Manchem reicht schon das Wissen, dass 1045,04 Euro auf dem Konto nicht pfändbar sind (es handelt sich um ein so genanntes P-Konto – Pfändungsschutzkonto; dieses muss speziell eingerichtet werden). Dieser Freibetrag erhöht sich noch bei weiteren unterhaltsberechtigten Personen. Bescheinigungen dafür stellt unter anderem die Beratungsstelle aus.

Die Diakonie bietet die Beratungen seit den Neunzigern an. Mandy Beneke ist seit vier Jahren dabei. Zwei Tage hält sie sich im Salzwedel auf, drei Tage in Gardelegen.

„Es ist für beide Seiten nicht einfach“, meint Mandy Beneke über die Beratungen. Soll sie dem Hilfesuchenden gezielt helfen, muss dieser seine Finanzen sowie die Ursachen für seine Misere auf den Tisch legen. „Das kann unangenehm sein“, fährt Beneke fort. „Vor allem wenn der Ehepartner dabei ist und womöglich zum ersten Mal erfährt, was da eigentlich los ist.“ Sie sei Profi genug, die Schicksale ihrer Kunden nicht an sich herankommen zu lassen.

Zusammen erstellen sie beispielsweise einen Haushaltsplan. Sie schauen, ob die angedachten Raten realistisch sind und wo die Problemursache liegt. Mandy Beneke kann dabei helfen, Kontakt zu Gläubigern herzustellen. Doch das meiste müssen die Verschuldeten selbst erledigen, auch mit Hausaufgaben. „Die Beratung geht aber nur soweit, wie die Kunden es wollen“, sagt Mandy Beneke. Und wie ehrlich sie dabei sind.

Einmal im Monat – je nach Bedarf – gibt es eine Infoveranstaltung. Bis zu fünf Personen können sich beim Diakonischen Werk Altmark West für ein Treffen anmelden.

Von Jens Heymann

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