„Man läuft immer gegen die Wand“

Werbung für Salzwedel: Kostenlose Marketing-Ideen – vergebliche Liebesmüh

Die Künstlerin Waltraut Reinke mit selbst hergestellten Baumkuchenkerzen. Ihr Credo: mehr Imagewerbung und Marketing für Salzwedel. Fotos: AZ-Archiv / privat
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Die Künstlerin Waltraut Reinke mit selbst hergestellten Baumkuchenkerzen. Ihr Credo: mehr Imagewerbung und Marketing für Salzwedel.

Salzwedel – Werbung für Salzwedel ist ein zweischneidiges Schwert. Mehrere Anläufe, dies zum Beispiel auf den Kreiseln in und um der Hansestadt zu tun, sind mit verkehrstechnischen Begründungen abgelehnt worden.

Den Baumkuchen musste Waltraut Reinke wieder entfernen.

Aber auch private Marketing-Initiativen sind zum Scheitern verurteilt. „Seit vielen Jahren versuche ich schon etwas für Salzwedel zu tun. Zum Beispiel mit Vorschlägen, wie Werbung auf den Bahnsteigen – ,Baukuchenstadt‘ bzw. ,Willkommen in der Baumkuchenstadt‘ oder auch ,Baumkuchenexpress nach Arendsee-Wittenberge‘ – leider wurde diese Strecke stillgelegt und die Ferkeltaxen längst verkauft und fahren woanders“, ärgert sich Waltraut Reinke. Wie lange ihre Image-Vorschläge für die alte Hansestadt schon her sind, zeigt die im Jahr 2003 dichtgemachte Bahnstrecke nach Arendsee.

Auch die alte Säule im Bahnhofsvorfeld, auf der einst eine Uhr thronte, könnte ein Baumkuchen zieren. Ebenfalls ein Reinke-Vorschlag, der unvollendet in die Jahre gekommen ist. Stattdessen nagt der Rost der Zeit an den Bewehrungsstreben, die sich aus dem Uhren-Überbleibsel in den Himmel recken. Typisch für Salzwedel?

Auch die Tourist-Information verschmähte eine Reinke-Kollektion mit Baumkuchenkerzen und anderen kleinen Hansestadt-Andenken. Diese durfte die Künstlerin zwar für kurze Zeit in der Info ausstellen. Über ein wirkliches Marketing der Reinke‘schen Steilvorlagen einer tollen Salzwedel-Werbung hat nie jemand nachgedacht. „Dann muss ich wohl damit für Wernigerode Werbung machen“, blickt die Salzwedelerin auf die andere Baumkuchenstadt, „die würden diese gerne nehmen.“ Auch ein Baumkuchenspringbrunnen von der Künstlerin war nicht gewollt. Ebenso wenig wie eine Salzwedel-Postkarten-Kollektion, Salzwedel-Weihnachtskarten und vieles mehr.

„Man kann sich hier abmühen, wie man will und läuft trotzdem gegen die Wand. Stattdessen wird man sich in fünf Jahren immer noch darüber streiten, ob der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausturmplatz oder auf dem Marktplatz abgehalten werden soll“, ist Waltraud Reinke bitter enttäuscht. Vielleicht ist ihr Handicap, dass sie nie Geld für ihre Ideen und kleinen Kunstwerke haben wollte. Denn ihr Herz schlägt für die Hansestadt. VON HOLGER BENECKE

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