Trennendes als Kunstwerk

„Malerischer“ Stacheldraht – Carola Vandreys eindrucksvolles Symbolbild zum 9. November

Stacheldraht
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Ein Bild, das Symbolcharakter hat: Stacheldraht, der auch dazu verwendet wurde, Menschen aus Ost und West zu trennen, malerisch inszeniert von der in Salzwedel lebenden Künstlerin Carola Vandrey.
  • VonArno Zähringer
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Der 9. November ist ein Datum, dessen Ereignisse die deutsche Geschichte geprägt und die darüber hinaus teilweise auch internationale Auswirkungen hatten: Der Mauerfall 1989 in Berlin, der Beginn der Novemberpogrome 1938, der Hitlerputsch 1923 in München und 1918 die Ausrufung der Republik in Deutschland als Datum der Novemberrevolution in Berlin.

Salzwedel – Die in Salzwedel lebende Künstlerin Carola Vandrey hatte in einem Katalog für Fototechnik und Fotodesign ein kleines Foto von einem Draht entdeckt. „Das Motiv sprach mich sofort an. Es wirkte so friedlich und durch das Spinnennetz ganz filigran, obwohl der Draht genau das Gegenteil ausstrahlt“, berichtet sie der AZ.

Der Entschluss, das Motiv etwa um das Zehnfache größer auf eine Leinwand zu malen, sei bereits beim ersten Betrachten gefasst worden. Das Bild, das auch viele Erinnerungen vor allem älterer Menschen aufkommen lässt, ist mit Acrylfarbe gemalt. Das Spinnennetz und die Tautropfen sind mit einem Cuttermesser in stundenlanger Feinstarbeit aus der angetrockneten Farbe aus der Leinwandoberfläche herausgekratzt worden.

Durch das nachträgliche Schattieren einiger Tautropfen und Spinnenfäden entstand eine besondere Tiefenwirkung, die durch den imaginären Hintergrund verstärkt wird. Das schafft durch den Gegensatz mit der detaillierten Realität eine besondere Faszination. „Der Betrachter verliert sich im ungeordneten Gewirr der Spinnenfäden und der sich daran gesammelten Tautropfen. Und er ist gefangen durch den massiven, undurchdringlichen und Kälte ausstrahlenden Stacheldraht“, erzählt Vandrey die Entstehungsgeschichte des Bildes mit Symbolcharakter.

Carola Vandrey, aus Havelberg stammende und in Salzwedel lebende Malerin.

Trotzdem ist die in Havelberg geborene Malerin nicht auf spezielle Motive festgelegt. Deshalb bilden ihre Arbeiten ein umfassendes Spektrum unterschiedlicher Themen ab. Wenngleich die Darstellung von Menschen in Alltagssituationen schon immer eine besondere Anziehungskraft auf sie ausübte. Die künstlerische Umsetzung gelang ihr so gut, dass sie mit Porträts nicht nur von Menschen, sondern auch Tieren beauftragt wurde. Dabei steht nicht nur die realistische Darstellung im Vordergrund – auch die abstrakte Malerei macht einen wesentlichen Teil ihres künstlerischen Schaffens aus.

Doch allein dabei wollte es die begabte Autodidaktin, die unter anderem Mitglied in der Kulturwerkstatt Gommern war und sich auch an Gemeinschaftsausstellungen beteiligte, nicht belassen. Weitere Techniken erlernte sie im Selbststudium: Sie malte Aquarelle, arbeitete mit Kreide, Acryl oder mit Ölfarben.

Bei der Darstellung von Häusern, Landschaften oder Kirchen legt sie besonderen Wert auf Einzelheiten. Vor allem ihre Detailgenauigkeit lässt die Bilder „leben“. Alten Gebäuden, die in Wirklichkeit nicht als schön bezeichnet werden, haucht sie neues Leben ein und verleiht ihnen neue Schönheit. Der Betrachter sieht sich mit der realistischen, aber vor allem künstlerischen Umsetzung der Motive in die Bilder hineingezogen. Dabei beweist Vandrey ihr besonderes Gespür für Farben und den vielschichtigen Einsatz von Schatten oder Lichtspielen. Vor allem dieses Zusammenspiel von Farbe, Licht und der Liebe zum Detail macht ihre Bilder in unterschiedlichen Formen für den Kunstfreund nicht nur interessant, sondern lässt durch ihre große Aussagekraft auch einen kleinen Blick in die Seele Vandreys.

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