Die Liebe ist ein Duett

Von „Liebe und anderen Krankheiten“, so das Thema des Abends, wussten am Freitag Ute Frenzel und Herbert Wüscher in Tylsen zu berichten. Ihre Lieder waren Ohrwürmer von einst – die, neu aufgegossen, das Publikum faszinierten. Foto: Zahn

Tylsen. „Machen wirs den Schwalben nach, bauen wir uns ein Nest“, heißt es im „Schwalbenduett“ aus der Oper „Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman, mit dem der zweite Teil des Programms eröffnet wurde.

Der Heimat und Kulturverein Tylsen e.V. hat sich so ein Nest mit dem Alten Kuhstall geschaffen und lud am Freitag zu „Liebe & anderen Krankheiten“, einer musikalischen Komödie der anderen Art, ein.

In Köln investiert die Stadt 200 Millionen Euro für den Umbau der Oper und jährliche Zuschüsse von weiteren 50 Millionen Euro. In Tylsen geht Oper auch für kleines Geld im „Alten Kuhstall“, damit die kleinen altmärkischen Dörfer nicht zu „Schlafdörfern“ mutieren. Klein, einfach aber mit hohem Niveau und am Freitag dank der Förderung durch das Programm „Stärken vor Ort“ sogar kostenfrei! Ute Frenzel (Sopran) und ihr Duettpartner, der 43 jährige Herbert Wüscher (Tenor), unterhielten mit Titeln wie „Josef, ach Josef, warum bist du so keusch“, „Mama“ auch von Heintje oder Puccinis „Nessun Dorma“ in ganz frischer Interpretation.

Jede Liebesbeziehung lebt von der Erfüllung der Bedürfnisse des anderen. Wenn wir uns dessen bewusst sind, kann eine Partnerschaft funktionieren. Das wurde schnell deutlich als die beiden ihre ganz spezielle Sicht auf die Liebe darstellten. Da tapste Wüscher wie ein kleiner knuddeliger Bär langsam auf die Bühne und sang den Heinz Rühmann Klassiker „Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen“ und Ute Frenzel jammerte mit fisteliger Sopranstimme kreischend “Ach Josef, was bist du nur so keusch“ aus der Operette „Madam Pompadour“. Eine gute Beziehung ist nie eine Einbahnstraße der Glückseligkeit und so suchte Wüscher mit Rose und Klapprechner bewaffnet verzweifelt nach der richtigen Partnerin, was sich nicht immer leichtfüßig gestaltete.

Die lauten Lacher, der bebende Applaus zeigten dabei, wie viele Verbündete oder Leidensgenossen Wüscher im Publikum hatte. Wüscher eine Mischung aus Pater Brown, Peter Alexander und der Stimme eines lyrischen Engels, Temperament und inniger Liebe zum Gesang, machte klar, dass Liebe kein Solo, sondern ein Duett ist. Schwindet sie bei einem der Protagonisten, so verstummt das Lied.

Mit der kongenialen Ute Frenzel und Matthias Spindler aus Zwickau am E-Piano ein perfektes Trio, das einen meisterlichen Umgang mit dem Rhythmus pflegte und ein Divertimento der eigenen Darstellung mit verwegenem Esprit ablieferte. Bereits seit drei Jahren pflegen sie diese neue Art, Menschen vermeintlich angestaubte Musik näher zu bringen, mit Erfolg. Denn dichter, näher kann Publikum an den Darstellern nicht sein, eine Atmosphäre wie im heimischen Wohnzimmer. Das zahlreich erschienene Publikum, wollte aber so gar nicht, dass der beschwingte Abend endet und so erklatschten sie sich eine Zugabe nachdem zweistündigen Programm der Premiumklasse. Leider gab es nicht den wunderbaren Titel „Dunkelrote Rosen“ den Wüscher auch in seinem Programm hat. So bleibt den Gästen das Hoffen auf ein Wiedersehen.

Von Bernd Zahn

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