Bildungsministerium pritscht Ball zurück: Keine Lehrer – helft euch selbst

Letzte Schule im letzten Kreis

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Die Pestalozzi-Förderschule wird bei Google seit einigen Tagen nicht mehr unter ihrem Titel, sondern als Pestalozzi-Hilfsschule aufgelistet. Ein Titel aus längst vergangenen Tagen, der aber auf Grund des jahrelangen Lehrermangels wieder zuzutreffen scheint.

Salzwedel. Wenn Sie im Internet „Salzwedel Pestalozzi Förderschule“ eingeben, dann erscheint seit Neuestem bei der Google-Suche „Pestalozzi-Hilfsschule“.

„Haben die Google-Macher bemerkt, dass dort schon seit Jahren Pädagogen fehlen und einen alten Titel wieder hervorgekramt, den es schon lange nicht mehr gibt, der bei der Lehrersituation aber durchaus angemessen ist?“, fragt sich Elternrat Dirk Tiedge. 

Denn für ihn steht nicht nur der Altmarkkreis an letzter Stelle der Bundesrepublik, sondern auch die Schule seines Sohnes an letzter Stelle in Sachsen-Anhalt. Dessen Bildungsministerium unter Marco Tullner (CDU) ist der Arbeitgeber der Pädagogen im ganzen Land, muss sich auch um Ersatz kümmern, wenn ein Lehrer ausfällt.

Zur Erinnerung: Ausgefallen ist an der Pestalozzi-Förderschule seit zwei Jahren jeglicher Chemie-Unterricht. Fast ebenso lange gab es kein Physik. Bis ein Kollege von der benachbarten Geistigbehindertenschule „Unterm Regenbogen“ einsprang und zumindest bis zum Schuljahresende aushilft. Alles Druckmachen des engagierten Elternrates gegen den Lehrer-Arbeitgeber Bildungsministerium brachte nur eins: Der Ball liegt wieder im eigenen Feld – auf dem Pestalozzi-Schulhof. Nun soll die Schule etwas tun. Nach dem Motto „Helft euch selbst!“

Das Ministerium hat in der vergangenen Woche eine sogenannte schulfachliche Referentin zu „Pestalozzis“ geschickt. Auch die kam ohne Lehrer in Salzwedel an. Denn: Es liege an der Schulform, dem Fach und der Region, hatte Michael Schulz, stellvertretender Pressesprecher des Bildungsministers festgestellt. Auf gut Deutsch: Keiner will dorthin.

„Wir haben schulfachlich ganz eng beraten und werden es weiter tun“, so Michael Schulz. Um den bei den Schülern durch seit zwei Jahren ausgefallenen Unterricht verloren gegangenen Stoff zu kompensieren, sollen „Netzwerkstrukturen mit den Sekundarschulen der Region“ aufgebaut werden. Und: Die Lehrkräfte der Pestalozzi-Schule sollen sich in dieser Richtung schulintern – also im eigenen Kreis – fortbilden.

Das dürfte bei fehlenden Fachlehrern schwerfallen. „Aber es soll ein Referent kommen“, hat Elternrat Tiedge erfahren. Das gemeinsame, einwöchige Projekt der 7. und 8. Klassen mit der Lessing-Ganztagsschule im Bereich Physik / Chemie begrüßt der Elternrat. „Das ist aber kein Ersatz für fehlende Lehrer“, macht Dirk Tiedge deutlich. Er erwartet nach zwei Jahren stärkere Signale „für die letzte Schule im letzten Kreis Deutschlands“.

Von Holger Benecke

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