„Wollen wir nicht mehr hinnehmen“

Lehrermangel: Kreiselternrat Salzwedel schreibt Beschwerdebrief ans Land

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Eltern kritisieren den Lehrermangel. Der Kreiselternrat des Altmarkkreises Salzwedel hat einen Brief an die Fraktionen im Landtag von Sachsen-Anhalt geschrieben.

Salzwedel – Ab genau dem heutigen Tag ist es nur noch einen Monat, bis die Sommerferien in Sachsen-Anhalt beginnen und damit das Schuljahr 2018 / 19 endet. Allerdings war es mancherorts keine rosige Zeit, denn der Stundenplan war übersät mit Unterrichtsausfällen.

Nun hat der stellvertretende Vorsitzende des Kreiselternrates im Altmarkkreis Salzwedel, Björn Michaelis, deswegen einen Brief an das Landesschulamt von Sachsen-Anhalt und die Fraktionen im Landtag geschrieben.

„Die personelle Situation an den Schulen ist seit dem Schuljahr 2018 / 19 nicht zufriedenstellend und verschärft sich weiter. Das wollen wir als Elternvertreter nicht weiter einfach so hinnehmen“, so Michaelis. „Will unser Land Sachsen-Anhalt überhaupt mehr Lehrer? Scheinbar nicht!“

Nicht nur woanders sei das Thema Personalmangel allgegenwärtig, auch im Altmarkkreis sind die Auswirkungen zu spüren. Die Schulleiterstelle der Lessing-Grundschule in Salzwedel sei seit Schuljahresbeginn 2018 immer noch unbesetzt und werde von der Leiterin der Grundschule Fleetmark für zwölf Stunden in der Woche übernommen, bemängelt Michaelis. Übrigens: Chemieunterricht an der Pestalozzi-Förderschule gibt es auch immer noch nicht; die Stelle wird weiterhin ausgeschrieben.

„Nach unserem Kenntnisstand gab es auf die 310 ausgeschriebenen Stellen in Sachsen-Anhalt 482 Bewerber. Für den Altmarkkreis und den Landkreis Stendal gab es auf 34 ausgeschriebene Stellen 45 Bewerber“, erklärte der Stellvertreter des Kreiselternrates. Potenzielles Personal sei demnach vorhanden, schlussfolgert Björn Michaelis. Da komme ihm die Frage in den Sinn: „Könnte es am Geld liegen?“ An interessierten Bewerbern scheine es zumindest im Großen und Ganzen nicht zu fehlen, hieß es sinngemäß.

Besorgte Eltern seien sich einig, heißt es in der Stellungnahme, und würden sich der Meinung von Thomas Lippmann, Sachsen-Anhalts Fraktionschef der Linken, anschließen: „Der Haushalt muss dem Bedarf folgen und nicht umgekehrt.“

Da auch das kommende Schuljahr 2019 / 2020 nicht viel verspreche, was fehlende Pädagogen und Lehrkräfte betrifft, bleibe die Situation weiter angespannt, fahrt der Vize-Kreiselternratschef fort. Zur Erinnerung: „In den nächsten 15 Jahren werden fast 10 000 bis 14 000 Lehrer aus Altersgründen die Schulen verlassen. Diese müssen ersetzt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit“, hatte Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner noch Anfang des Jahres gesagt.

Die Verantwortlichen haben derweil auch andere Wege eingeschlagen. Dem Personalmangel wird beispielsweise durch Quereinsteiger begegnet. Davon gibt es in der Region mittlerweile einige. Ob das zukunftsfähig ist, wird sich noch zeigen.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

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