Unterricht in Präsenz und Distanz – beides geht nicht

Lehrer am Limit: Pandemie
macht Salzwedeler Schulen zu schaffen

Maskenpflicht an Schulen
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Maske im Unterricht: Das gab es schon. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen. Auch Präsenz- und Distanzunterricht können die Pädagogen nicht bewältigen. Doch schon jetzt befürchten sie arge Bildungslücken.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Müssen die Schüler bald wieder mit Masken im Unterricht sitzen? Noch ist die Lage unklar. Die Schulleiter warten auf die neusten Anweisungen aus dem Bildungsministerium in Magdeburg. Diese kommen meist freitagnachmittags, sodass es für die Schulchefs schwer wird, die entsprechenden Anweisungen, die dann ab Montag, 6. Dezember, gelten, an die Schüler bzw. Eltern zu bringen, um diese überhaupt umsetzen zu können.

Salzwedel. Nichtsdestotrotz sind die Bildungseinrichtungen vorbereitet, sozusagen schon coronaerprobt. Genug haben sie bislang mitmachen müssen. „Corona geht nicht weg. Wir werden damit leben müssen“, schätzt Doris Beneke, Leiterin der Lessing-Ganztagsschule, ein. „Wir sind vorbereitet und die Schüler haben Verständnis für die Maßnahmen“, weiß die engagierte Direktorin aus ihrem Schulalltag. Doch sie hat auch Verständnis für die Eltern, die um ihre Kinder fürchten. Denn Atteste zum Beispiel für eine Maskenbefreiung der Schüler oder gänzliche Herausnahme aus dem sogenannten Präsenzunterricht sind möglich.

„Die Eltern werden gute Gründe haben“, will Doris Beneke keine Wertung treffen. Allerdings kann sie den Kindern, die zu Hause sind, keinen Distanzunterricht anbieten. Die Lehrer können neben dem normalen Schulalltag nicht auch noch für die zu Hause Gebliebenen Stoff vermitteln und Aufgaben anbieten. Im Lockdown ging das – da waren alle zu Hause. Hinzu kommt die ohnehin vorhandene Unterversorgung mit Lehrern im Altmarkkreis. Doris Beneke fürchtet nicht zu Unrecht um das Bildungsniveau. „Die Kollegen sind am Limit“, stellt die Comenius-Schulleiterin auch an der eigenen Leistungsfähigkeit fest. Bei allem Wollen und aller Bereitschaft – irgendwann geht es nicht mehr. Große Wissenslücken und gefährdete Schulabschlüsse, konstatiert Doris Beneke aus den bisherigen Erfahrungen zu Recht. Der Schulalltag ist für alle – Schüler, Eltern und Lehrer – eine Herausforderung geworden.

Auch Ralf Hoppstock, Direktor am Salzwedeler Jahn-Gymnasium, wartet auf den nächsten Schulleiterbrief. Er und sein Team sind gut gerüstet bzw. durchgeimpft – bis auf eine Reinigungskraft, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden kann. Es habe bis auf die üblichen Erkältungen keine zusätzlichen Ausfälle unter den Schülern am Jahn-Gymnasium gegeben, stellt er fest. „Niemand kann seine persönliche Auffassung über das Wohl der Schüler stellen“, sagt der Schulchef. Wer sein Kind nur zu Hause testen will, muss dafür ebenfalls ein Attest vorweisen. Um diesen zu bekommen, müssen ebenfalls gute Gründe geltend gemacht werden. Hoppstock hat dafür Verständnis. Ansonsten wird morgens in der Schule getestet.

Andererseits kann er auch gut nachvollziehen, dass Eltern ihrem Kind mit auf den Weg geben, die Maske zu tragen, um sich trotz Impfung und Abstandsregelung noch besser zu schützen, kommentiert der Pädagoge mit Blick auf die Maske im Unterricht. Das gab es am Jahn-Gymnasium schon einmal ab der 7. Klasse. Aus dieser Zeit sind dem Schulleiter keine größeren Beschwerden bekannt. Solange die Schüler im Unterricht sitzen und keine größeren Aktivitäten haben, sei das machbar, schätzt er ein.

Doch um Eltern und Schüler darauf vorzubereiten, müsse erst eine Verordnung aus Magdeburg vorliegen. Ralf Hoppstock rechnet damit in der nächsten Woche. Inhalt? Da kann der Schulleiter nur spekulieren, tut er aber nicht. Er hofft nur, dass das Schreiben nicht wieder Freitagnachmittag kommt.

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