Teils beklebte oder zugehängte Schaufenster geben ein düsteres Bild in der Burgstraße ab

Leerstand in der Einkaufsmeile

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Beklebt mit großen Werbeflächen oder teils zugehangene Schaufenster, sieht der Salzwedeler entlang der Burgstraße. Nur wenige verlaufen sich in die einst belebte Einkaufsmeile der Innenstadt. Heute herrscht dort gähnende Leere.

Salzwedel. Einst war die Innenstadt von Salzwedel ein beliebtes Einkaufsziel gewesen. Viele Altmärker tummelten sich auf den Straßen herum. Die unterschiedlichsten Geschäfte waren von der Neuperverstraße an, über die Burgstraße bis hin zur Altperverstraße aufzufinden.

Heute frisst sich der Leerstand durch die Innenstadt.

Zugehangene Schaufenster beherrschen das Bild in der Salzwedeler Innenstadt. 

Gähnende Leere zieht sich über das Pflaster in Salzwedel. Nur vereinzelte Altmärker sind auf der Burgstraße zu sehen. In einigen Schaufenstern hängen Schilder: Ladenfläche zu vermieten. Zwölf Geschäfte haben für immer ihre Türen geschlossen. „Es ist nichts los in der Stadt“, sagte Angela Tesch besorgt. „Und etwas Interessantes zum Einkaufen gibt es in der Burgstraße auch nicht.“ Die Salzwedelerin fährt eher nach Braunschweig und kauft lieber dort für ihre Tochter ein. „Die Jugend hat in Sachen Kleidung ganz bestimmte Vorstellungen“, ergänzte Tesch.

Das Internet siegt immer mehr

Diese Meinung teilt auch Nicole Jandt, die einen Blumenladen in der Baumkuchenstadt besitzt. „Was ist denn in der Stadt so los? Die Burgstraße ist auch nicht mehr, was sie einmal war und kann es auch nicht mehr werden“, sagte Jandt. „Ich fahre teils mit dem Auto oder der Bahn nach Hamburg, um dort shoppen zu gehen. Salzwedel ist zum Einkaufen uninteressant geworden.“

Vereinzelte Artikel liegen, als Lückenfüller, in dem Schaufenster herum. Jedoch geben diese trotzdem ein trauriges Gesamtbild ab.

Im Zeitalter des Internets wird es für die Ladenbesitzer langsam aber stetig immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Besonders in einer Stadt wie Salzwedel, in welcher jeder Altmärker im Geschäft wie ein König behandelt werden muss. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn der Kunde bei Wind und Regen vor verschlossener Tür stehengelassen wird, obwohl fünf Minuten später der Laden geöffnet wird“, sagte Wolfgang Behrens, der das gleichnamige Schuhgeschäft in der Stadt betreibt. Weiter erklärt er: „Die Kaufkraft geht immer mehr in den online Handel. Allein in der Schuhbranche sind es an die 30 Prozent, die an das Internet verloren gingen.“ Seine größte Sorge: Wenn die Dörfer um der Hansestadt mit noch besserem Internet versorgt werden, kommen noch weniger Kunden in die Stadt.

Anders sieht es im Geschäft von Bernd Mendala aus. Er bleibt einem gewissen Sortiment treu, das seine Kunden sehr zu schätzen gelernt haben. „Immer mehr junge Leute haben kein Bock mehr, sich mit Paketen rumzuschlagen“, sagte Mendala der Altmark-Zeitung. „Um so wichtiger ist es, seine Stammkunden zu halten und neue zu gewinnen.“

Aufschwung nur mit gemeinsamer Kraft

Das Bekleidungsgeschäft ist vor einiger Zeit in die Breitestraße umgezogen. Dort gehen mehr Salzwedeler entlang, als in der Burgstraße.

Auch wenn vor seinem Laden nur wenige Salzwedeler tagtäglich entlanggehen, so ist der Wendländer weiterhin zuversichtlich und voller Tatendrang. Für die Burgstraße sieht Bernd Mendala folgendes Problem: „Wir brauchen einheitliche Öffnungszeiten. Es gibt Geschäfte, die am Sonnabend erst gar nicht öffnen. Alle sollten am Wochenende bis 16 Uhr geöffnet haben. Nur so wird den Salzwedelern, die unter der Woche lange arbeiten müssen, die Chance gegeben, einkaufen gehen zu können.“

Es gibt unter den Altmärkern auch Kaufwillige, die gerne zum Shoppen auf der Burgstraße entlang gehen. So auch Barbara Exner, die der Hansestadt sehr treu ist. „Ich kaufe ausschließlich in Salzwedel ein und es lässt sich so vieles finden an besonderen Artikeln,“ sagte Exner. „Auch für die Hochzeit haben mein Mann und ich alles in der Baumkuchenstadt gekauft.“

Auch Diana Rotter bleibt zusammen mit ihrem siebenjährigen Sohn Kilian, der Hansestadt treu. „Salzwedel ist wie ein Stadtteil von Berlin. Auch in der Hauptstadt kaufen die Leute nur in ihrer gewohnten Umgebung“, erklärte Rotter der Altmark-Zeitung. „Die Ansprüche dürfen nur nicht zu hoch sein, dann lässt sich auch etwas in Salzwedel finden und besonders in der Burgstraße.“ Die Altmärkerin kauft nur in der Hansestadt ein. Dem Internet kehrte sie den Rücken zu, alles wird in der Heimatstadt besorgt. Das Lieblingsgeschäft von Sohn Kilian Rotter ist der Spielzeugladen an der Neuperverstraße. „Dort gehe ich am liebsten mit meiner Mama einkaufen“, sagte der Grundschüler.

Eine ungewisse Zukunft

Trotz der unterschiedlichen Ansichten und Einstellungen der Altmärker gegenüber der Hansestadt, bleibt die Burgstraße weiterhin ein totes Pflaster. Wie die Zukunft der einst belebten Straße aussieht und ob der Leerstand sich weiter durch die Innenstadt fressen wird, kann kein Salzwedeler genau sagen.

Von Paul W. Hiersche

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Bernd Mendala

„Sehr traurig ist der städtische Service. Wenn die Touristen mit Bussen vorgefahren werden am Sonnabend, haben die meisten Geschäfte schon geschlossen. Wir brauchen einheitliche Öffnungszeiten.“ Bernd Mendala EINZELHÄNDLER

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Nicole Jandt

„Die Stadt ist doch tot. Was passiert denn in der Innenstadt noch? Die Burgstraße ist auch nicht mehr das, was sie einst mal war und kann es auch nicht mehr. Ich fahre teils mit dem Auto oder Zug nach Hamburg um dort einzukaufen.“ Nicole Jandt FLORISTIN

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Kilian und Diana Rotter

„Ich kaufe nur in der Hansestadt ein. Die Ansprüche dürfen nicht zu hoch sein, dann lässt es sich in Salzwedel sehr gut einkaufen. Im Internet besorgen wir so gut wie gar nichts. Wir unterstützen mehr die Heimat.“Kilian und Diana Rotter ERZIEHERIN

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Angela Tesch

„Meine Tochter hat bestimmte Vorstellungen in Sachen Kleidung. In Salzwedel gibt es da nicht so viel Auswahl. Und wenn, dann ist es meistens nicht bezahlbar. Wir fahren eher nach Braunschweig, um dort zu Shoppen.“ Angela Tesch REINIGUNGSKRAFT

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Wolfgang Behrens

„Nur mit einem gutem Service kann ich bei den Kunden noch punkten. Seit einigen Jahren biete ich Schuhreparaturen an. Mit dem Ausbau des Internets in Dörfern wird es in der Zukunft noch schwieriger Kunden zu gewinnen.“Wolfgang Behrens EINZELHÄNDLER

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