Markus Bock berichtet im „Hanseat“ über seine Depression

Das Leben verbockt

Das „Hanseat“ war am Mittwochabend gut besucht. Viele waren gekommen, um die Erlebnisse von Markus Bock zu hören. Er las aus seinem Notizblock vor. Foto (3): Hiersche
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Das „Hanseat“ war am Mittwochabend gut besucht. Viele waren gekommen, um die Erlebnisse von Markus Bock zu hören.
  • VonPaul William Hiersche
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hwp Salzwedel. Im Saal des „Hanseat“ gab es kaum noch Platz: So viele Menschen waren gekommen, um der Stimme von Markus Bock aus Harsum und seinen Erlebnissen zu lauschen. Der 36-Jährige leidet seit vielen Jahren an einer chronischen Depression.

Die Lesung beginnt gleich. Markus Bock setzt sich langsam auf seinen Platz auf der Bühne. Das Scheinwerferlicht ist noch aus. Der Saal wird ruhig. 

„So still auf einmal, dabei habe ich doch noch gar nicht anfangen wollen“, sagt Bock überrascht ins Mikrofon. Das Publikum schmunzelt, einige Lacher sind zu hören. Plötzlich erstrahlt das Bühnenlicht das Parkett. Wieder witzelt der Harsumer, und die Hansa-Gäste müssen erneut lachen. „Lachen ist ein Muss; das Thema ist schließlich ernst genug“, reagiert Markus Bock.

Markus Bock aus Harsum las aus seinem Notizblock vor.

An diesem Mittwochabend erzählt er, wie er mit seiner Depression umgeht. Er musste bereits viele Tiefschläge hinnehmen. „Zwei Suizidversuche hatte ich. Einmal hat mich ein Freund kurz vorher angerufen und mich um Hilfe gebeten; ich stand schon auf den Schienen. Ein anderes Mal hatte der Zug Verspätung, da eine andere Person dieselbe Absicht hatte wie ich. Jedes Mal zuhause angekommen, habe ich mich dafür gehasst, dass es nicht geklappt hat“, erzählt Bock mit ernster Stimme.

Seine Eltern hätten ihm schon früh eingetrichtert: „Aus dir wird nie etwas.“ Dies habe ihn sehr geprägt. Während seiner Ausbildung in einem Elektrofachmarkt hat er 8000-mal gestohlen, um aufzufallen. Auch einen späteren Gefängnisaufenthalt musste der 36-Jährige durchleben.

Mittlerweile schreibt er einen Internet-Blog über seine Depression. Markus Bock will andere erreichen, die sich in derselben Situation befinden, und sie dazu anregen, sich damit auseinanderzusetzen. „Helfen kann ich nicht, aber darüber reden“, sagt Bock.

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