Die Hansische Gesellschaft zu Salzwedel setzt sich seit acht Jahren für den Erhalt der Heilig-Geist-Kirche ein

Ein Leben für lebendige Geschichte

Bernd Frommhagen von der Hansischen Gesellschaft setzt sich seit 2004 für den Erhalt der Heilig-Geist-Kirche in Salzwedel ein. Für ihn ist es Historie zum Anfassen.

Salzwedel. Einst war die Heilig-Geist-Kiche in Salzwedel nur ein schnöder Lagerraum für unzähligen Krempel, doch mittlerweile tut sich etwas im Gotteshaus.

Seit 2004, als die Hansische Gesellschaft das Gebäude von der Stadt gemietet hat, werkeln die leidenschaftlichen Historiker und Hobbyhandwerker in den einst heiligen Gemäuern. Die Altmark-Zeitung hat sich nach dem aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten erkundigt und zeigt, was sich getan hat und was noch anzugehen ist – und das ist viel.

„Wir fanden die Kirche in einem sehr schlechten Zustand auf. Müll und eine große Portion Bausünden stachen uns sofort ins Auge.“ Bernd Frommhagen, Vorsitzender der Hansischen Gesellschaft zu Salzwedel, erinnert sich noch genau an das Jahr 2004 und den Moment, als er und seine Mitstreiter zum ersten Mal die Pforten öffneten. Ab diesem Zeitpunkt wussten die Mitglieder: Hier muss etwas passieren. Und sie machten sich ans Werk – mit beachtlichem Erfolg. Auch wenn Bernd Frommhagen den Enthusiasmus etwas bremst: „Bei den ganzen baulichen Mängeln und dem noch schlechteren Ausbessern muss noch einiges Geld fließen.“ Wieviel das sein wird, kann er nicht abschätzen, dazu sei die Anlage zu komplex.

In den vergangenen acht Jahren haben die Mitglieder der Hansischen Gesellschaft und freiwillige Helfer unzählige Arbeitsstunden investiert. Bis zum heutigen Tag wurden die Fenster neu gemacht, die Außenfassade verputzt sowie die Giebelseite saniert. Mit dem Gießen und Einhängen der Glocken wurde darüber hinaus ein weiterer wichtiger Baustein der Kirchenarbeiten gesetzt. Beim Bartholomäusmarkt am vergangenen ist Interessierten eine Klangprobe ermöglicht worden, die Glocken erklangen.

Die Liste dessen, was noch gemacht werden muss, ist lang und könnte endlos fortgeführt werden. Der Dachsims ist durch die ständigen Witterungseinflüsse marode, muss erneuert werden. Die Außenfassade bedarf eines neuen Anstrichs inklusive Verfugung. Außerdem muss der Putz auf Vordermann gebracht werden. Die baulichen Sünden wie die Innenfassade bedürfen hingegen einer Radikalkur. „Das muss man sich mal vorstellen. Die Vorbesitzer haben erst reinen Beton auf die Mauern aufgebracht, dann Putz darauf geschmiert, danach folgte eine Teerschicht und wieder Putz. Wir sahen wie die Schweine aus, als wir den ganzen Frevel von den Wänden schlugen“, erinnert sich Frommhagen mit Bauchschmerzen an die damaligen Arbeiten.

In den kommenden Wochen wollen sich die Hanse-Mitglieder der Bausicherung widmen. Gerade im Deckenbereich liege einiges im Argen, führt der 69-Jährige weiter aus. „Langeweile kommt hier so schnell nicht auf“, schmunzelt Frommhagen, denn er weiß: Überraschungen gibt es immer wieder.

Auf die Frage, wie er neben seiner Arbeit als Leiter einer Salzwedeler Altenpflegeinrichtung Zeit und Muße für den Erhalt der Kirche findet, sagt er ohne zu zögern: „Wir machen das nicht für uns. Als Verein und als Mensch wollen wir etwas für die Salzwedeler Bürger tun. Geschichte soll nicht nur in Büchern stattfinden, sondern lebendig sein – man muss sie anfassen können.“

Bis 2024 besteht der Mietvertrag mit der Stadt Salzwedel. Ob bis dahin alles fertig ist, könne niemand vorhersagen. Dennoch sind Frommhagen und seine Mitstriter guter Dinge. „Wenn ich sehe, was bisher passiert ist, kann man schon von Fortschritten sprechen“, so der Salzwedeler. Damit die Arbeiten noch schneller und konsequenter vorangetrieben werden können, ist die Hansische Gesellschaft immer auf der Suche nach Unterstützern.

Wer helfen möchte – ob finanziell, mit historischen Informationen, mit kreativen Ideen und Vorschlägen oder mit reiner Muskelkraft – kann sich melden bei:

Hansische Gesellschaft

zu Salzwedel,

Reichestraße 49a.

Von Steffen Koller

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