Zahlreiche freie Ausbildungsstellen in der Region / Berufsbild im Wandel

Landwirte müssen um Jugendliche werben

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Robin Gürth ist Lehrling auf Gut Apenburg. Für drei Monate lernt er gerade bei einem konventionellen Milchviehbetrieb. „Wir wollen eine komplette Ausbildung“, unterstrich Peter Warlich.

Apenburg. 80 Ausbildungsbetriebe, mindestens 32 freie Ausbildungsplätze. Das hört sich eigentlich nach guten Nachrichten an. Für die gemeinten landwirtschaftlichen Betriebe und Genossenschaften in der Region eher nicht.

Sie suchen aktuell über die Arbeitsagentur, den Internetauftritt des Bauernverbandes, die Initiative „Kluge Köpfe“ und auf vielen weiteren Wegen nach Auszubildenden.

„Wir hatten bisher keine Probleme junge Leute zu finden“, erzählt Peter Warlich, Betriebsleiter des Öko-Betriebes Gut Apenburg. Natürlich seien auch auf dem Gut die Erfahrungen mit den jungen Menschen unterschiedlich. „Aber wenn es mal nicht so gut lief, dann haben wir versucht es hinzubiegen“, erzählt Warlich. 14 Azubis wurden auf dem Hof seit 1993 zum Landwirt ausgebildet.

Das Hauptproblem der Nachwuchsfindung bei Landwirten liege immer noch in den zahlreichen Vorurteilen bei Jugendlichen. „Dabei wird heute fast jeder Trecker computergesteuert“, erklärt Peter Warlich, dass sich die Anforderungen in dem Berufszweig stetig weiterentwickeln. Als positiv bezeichnet der Betriebsleiter die hohe Verantwortung, die den Azubis relativ schnell übertragen werde. „Wir können ja nicht ständig auf dem Feld dabei sein“, sagt Warlich. Dazu komme häufig der Familienanschluss – in Apenburg können die Mitarbeiter auf dem Hof wohnen.

Wichtig sei eine bessere Werbung für den Beruf mit den vielfältigen Aufgabengebieten. Das sieht auch Jens-Martin Damker, Ausbildungsberater beim Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung (ALFF), so: „Jeder Betrieb muss heute selbst etwas für sich tun.“ Nach einem Rückgang der Auszubildendenanzahl vor zwei Jahren, hätten viele Betriebe gemerkt, dass sie um die jungen Leute werben müssten, ergänzte Damker. „Man muss seine Fühler rechtzeitig ausstrecken“, weiß auch Peter Warlich und berichtet von einem Dorfjungen der immer wieder auf dem Gut vorbeischaut. „Das könnte unser nächster Auszubildender werden.“

Auch bei der Gestaltung der Ausbildung können die Betriebe variieren. „Wir geben zum Beispiel einen Bonus bei guten schulischen Leistungen und unsere Azubis machen auch Praktika in konventionellen Betrieben – damit es eine komplette Ausbildung wird“, erklärt der Betriebsleiter.

Bevor die Jugendlichen ihre Ausbildung beginnen, wünscht sich Warlich zudem mehr Engagement von Staat und Schulen. Jugendliche könnten bereits mit 15 Jahren ihren Treckerführerschein machen und im Unterricht sollte der Landwirtschaft mehr Gewicht geschenkt werden.

Von David Schröder

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