Nach Info-Tour keine Zustimmung mehr zur Biogasanlage

Lärm, Gestank und verprellte Bürger

Stadträte, Verwaltung und Angehörige der Bürgerinitiative gegen die geplante Biogasanlage auf dem Chemiewerksgelände informierten sich im Raum Halle / Köthen. Fazit: Es stinkt! Foto: privat

Chüttlitz. „Es geht nicht darum, die Bioenergieregion in Frage zu stellen. Aber es ist einfach die falsche Anlage am falschen Ort. Woanders würde diese Sinn machen.

“ Wovon Arne Beckmann gestern Abend während der Pressekonferenz der Wählergemeinschaft und damit auch der Fraktion Salzwedel-Land sprach, war die geplante Groß-Biogasanlage (2,3 Megawatt) auf dem Gelände des ehemaligen Chemiewerks.

Dafür soll der Stadtrat am 31. Juli bzw. schon morgen der Hauptausschuss sein gemeindliches Einvernehmen geben. Das gibt es nicht von der Fraktion Salzwedel-Land. Diese hatte alle anderen Stadtratsfraktionen, die Verwaltung und auch Angehörige der Bürgerinitiative gegen die geplante Salzwedeler Anlage am Freitag zu einer Vor-Ort-Besichtigung ähnlicher Anlagen eingeladen. Dafür nahmen die Abgeordneten der Land-Fraktion, der CDU, der SPD, der Linken und der Freien Liste sowie Oberbürgermeisterin Sabine Danicke, Vize-Bürgermeister und Rechtsamtsleiter Erich Kaiser und Marketingamtsleiter Olaf Meining sogar eine Fahrt bis in den Raum Köthen / Halle in Kauf. Mit dem Ergebnis, dass sie bei ihrer Rückkehr gestunken haben. Der Geruch der besichtigten drei Anlagen hatte sich an den Schuhen und in der Kleidung festgesetzt.

Als Stadtrat müsse man auch die Größe haben, seine Meinung zu revidieren, machte Wolfgang Kappler deutlich. „Wir müssen mehr in die Öffentlichkeit gehen, mit den betroffenen Bürgern reden und nicht am Ratstisch auf Grund von Planzeichnungen, die kleinen Bildchen gleichen und nur wenig Informationen enthalten, entscheiden“, machte Fraktionschef Kappeler deutlich.

In diese Kerbe hieb auch die Vorsitzende der Wählergemeinschaft, Sabine Blümel, die diese Informationstour organisiert hatte: „Bürger, Verwaltung und Entscheidungsträger in einem Boot – das muss nicht nur diesmal, sondern immer so sein.“

Die erste Station am Freitag war bei einem Landwirt in Gröbers, der eine 800-KW-Anlage betreibt – etwa 200 Meter von einem Wohngebiet entfernt. Eine Entfernung, die auch auf Salzwedel zutrifft, wenn auch die Leistung nur bei knapp über einem Drittel liegt. Bei einer Befüllung von 30 Prozent mit Hühnerkot und Gülle sowie 70 Prozent nachwachsender Rohstoffe war das Ergebnis niederschmetternd. Selbst die Betriebsleiterin, die nahe der Anlage wohnt, sagte den Altmärkern, dass sie auf Grund der Geruchgsbelästigung nie wieder dorthin ziehen würde, so Blümel. Die zweite Anlage, 2.1 MW, bei Köthen (30 Prozent nachwachsende Rohstoffe und 70 Prozent Hühnerkot und Gülle) „hat gestunken“, so das Urteil.

Die dritte, eine 7-MW-Anlage, die zur Hälfte mit Mais und zur anderen Hälfte mit Gras, Zuckerrüben und Getreide befüllt war, stand in Könnern weit entfernt von einem Wohngebiet. In diesem Gewerbegebiet hatte sich auch kein weiteres Unternehmen als eine zweite Biogasanlage angesiedelt. Auch ein Punkt für die Salzwedel Land-Fraktion. „Das geplante Gewerbegebiet Magdeburger Straße soll sich insgesamt entwickeln und nicht nur die Biogasanlage“, sagte Blümel.

Die Fraktion sieht den Abwägungsbeschluss als „nicht entscheidungsreif“ an und lehnt diesen sowie das gemeindliche Einvernehmen und den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan somit ab. Blümel: „Mit der Biogasanlage bleibt für die Salzwedel nichts: kein Geld für die Stadt, verprellte Bürger und ausbleibende Touristen.“

Von Holger Benecke

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