Geschäfte wieder zu

Ladenbesitzer müssen Türen wieder schließen: Click & Collect weiter möglich

Zwei Frauen im Laden.
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Nadine Sinhuber, Geschäftsführerin von „No. 1-Mode“ in Salzwedel, und ihre Mitarbeiter sind zur Zeit täglich im Laden, damit sie die Kunden informieren können.
  • vonLydia Zahn
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Mit Termin-Shopping konnten Kunden den Laden betreten und sich die Waren vor Ort anschauen. Doch so schnell es begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei. Der Einzelhandel ist wieder geschlossen.

Salzwedel – Es ist ein Hin und Her der Verordnungen, Beschränkungen und Gefühle. Knapp sechs Wochen durfte der Einzelhandel seine Türen wieder öffnen – mit Termin-Shopping konnten Kunden den Laden betreten und sich die Waren vor Ort genau anschauen. Doch so schnell es begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei.

Der 7-Tage-Inzidenz-Wert im Altmarkkreis hat die Marke von 150 überschritten, was für die Läden in Salzwedel bedeutete, am Montag die Türen geschlossen zu lassen. Lebensmittelgeschäfte sowie unter anderem Getränkemärkte, Reformhäuser, Apotheken, Drogerien und Optiker wie auch Hörgeräteakustiker und Tankstellen dürfen wie gewohnt weiter öffnen. Ein tagesaktueller negativer Testbescheid ist aber zum Beispiel beim Besuch von Friseuren, der Fußpflege und in Alters- und Pflegeheimen vorzuzeigen.

Im Einzelhandel war das Termin-Shoppen noch nicht allzu lange angelaufen. Spontan nach einem Termin zu fragen oder ob noch Kapazitäten frei sind, hatte meist Erfolg und dem Einkaufsbummel nichts im Wege gestanden. Was viele der Kunden auch genutzt haben. Die Geschäftsführerin der Läden „Der Buchladen“, Hautnah“ und „Holzwurm“, Wenke Wirth, sowie Nadine Sinhuber, Geschäftsführerin von „No. 1-Mode“, und Delia Weiland vom Modegeschäft Weiland sind sich einig: Click & Meet sei super gelaufen. Zwar sei es nicht dasselbe wie vor der Corona-Pandemie, da sich die Kunden vorher in eine Liste eintragen und auch eine Maske tragen mussten, doch dem Einkaufsgefühl tat dies kaum einen Abbruch.

Wenke Wirth, Geschäftsführerin der Läden „Der Buchladen“, Hautnah“ und „Holzwurm“.

Und nun müssen die Ladenbesitzer wieder auf die Treue ihrer Kunden hoffen. Dass sie über das Internet oder Telefon bei ihnen bestellen und dann vor Ort abholen, statt auf Internetseiten die gesuchten Waren zu ordern. „Denn die Kunden dürfen den Laden nicht betreten und müssen draußen warten“, wie Wenke Wirth der AZ erklärt. Ein kleiner Lichtblick bleibt ihr aber, ihr Geschäft „Der Buchladen“ darf offenbleiben. Dieses kann sogar ohne Termin betreten werden.

Dennoch wird es erneut eine Herausforderung, um durchzuhalten, bis die Geschäfte wieder Kunden empfangen dürfen. Denn sollten die Infiziertenzahlen unter 150 sinken, so muss der Grenzwert fünf Tage hintereinander bestehen, bevor sich etwas an der aktuellen Lage ändert.

Und dieses Hin und Her der sich ständig ändernden Situation gehe nicht nur an die Nerven der Händler, sonder auch an die der Einkaufswilligen. „Die Leute sind einfach verwirrt“, so Wirth. „Wir sind jeden Tag da, damit sich der Kunde umstellen kann“, erzählt Sinhuber. Ihre Kunden würden oft an die Tür klopfen und fragen, ob sie die Verkaufsräume denn nun betreten dürften oder nicht. Auch Weiland weiß: „Die Leute sind müde und kaputt.“

Doch nicht nur das zerrt an den Ladenbesitzern. Auch die Frage, wie es weitergeht, wie es in naher Zukunft aussieht. Schließlich stehen die Bestellungen für Weihnachten, die Herbst- und Winterzeit kurz vor der Tür. „Sechs Monate muss man die Ware im Voraus bestellen“, erklärt Modefachfrau Delia Weiland. Und das werde schwierig. Schließlich gelte es, einige offene Fragen vorher zu beantworten. Wie viel muss bestellt werden? Ob und wie kann die Ware bezahlt werden? Wie sieht die Nachfrage aus? Sind die Läden zu der Zeit geschlossen oder beschränkt geöffnet? Denn eine finanzielle Unterstützung gebe es kaum. Von der gezahlten Hilfe bleibe nach der Begleichung von Rechnungen kaum etwas übrig, wie Weiland berichtet. Es sei schwierig, in Zeiten der Pandemie einen Laden zu führen, auch wenn sie ihren Beruf liebe.

Delia Weiland vom Modegeschäft Weiland will ihren Kunden zeigen: Sie ist noch da und ihr Laden offen.

Gestern setzte sie sich vor ihr Geschäft, um zu zeigen, dass sie noch da und ihr Laden zum Bestellen und Abholen offen ist: „Wenn ich drinnen sitze, trauen sich die Kunden nicht. So sehen sie, dass jemand da ist.“

Auch Wenke Wirth weiß: „Das gibt uns den Rest. Das ist der Tod auf Raten.“ Sie denkt, dass der Einkaufsbummel wegfällt, sollte sich die Lage dahin entwickeln, dass der Einzelhandel zwar Kunden empfangen darf, diese aber einen negativen Test vorweisen oder vor Ort machen müssen. „Wer stellt sich vor einen Laden, macht einen Test, wartet 15 Minuten, nur um dann einkaufen gehen zu können?“, spricht sie ihre Bedenken aus.

Um dem ganzen Corona-Chaos einmal zu entfliehen, das Geschehen um sich herum auszublenden und, wenn auch nur für eine kurze Zeit, in eine andere Welt einzutauchen, fragte die AZ die Buchkennerin nach einer Leseempfehlung. Ihr Lektüretipp: „Die Frauen von Kopenhagen“ der Autorin Gertrud Tinning. Und einen zur Zeit sehr gefragten Krimi von David Klass mit dem Titel „Klima: Deine Zeit läuft ab“.

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