Zum Kuscheln oder zum Essen

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Bettina Otto-Matthes und Stefan Kamlah sind passionierte Züchter. In ihren Armen halten sie Pippi (l.) und Paul. Die beiden Schweine leben derzeit im Haus. „Durch diese Isolation von den anderen Tieren werden sie zahm“, weiß Stefan Kamlah.

Ritze – Von Jens Heymann. Wer von Ritze nach Klein Chüden fährt, hat vielleicht das kleine Schild am rechten Straßenrand bemerkt: „Schweinchen zu verkaufen“. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne leben rund 200 der vierbeinigen Tiere.

Herr über das rund zwei Hektar große Grundstück ist Stefan Kamlah. Der 40-Jährige wohnt dort seit 2004. Ursprünglich kommt er aus dem kleinen oberbayrischen Dorf Habach, welches auf halbem Weg zwischen München und Garmisch-Partenkirchen liegt.

Die Idee mit der Schweinezucht ist ein lang gehegter Traum des Ritzers gewesen. „Ich habe schon als Kind im Stall gespielt.“ Nur in Bayern war dieses nicht machbar – die Quadratmeterpreise sind zu hoch, blickt Stefan Kamlah zurück.

Hauptberuflich handelt er mit gebrauchten Gegenständen, aber seine Leidenschaft sind die Schweine. Im März 2005 begann er mit der Zucht.

„Von einem Freund bekam ich per Zufall die ersten Tiere – sechs vietnamesische Wildschweine. Die Ritzer schenkten mir dann einen Zuchteber, der im Dorf herumlief“, weiß der Züchter. Dazu kamen drei Sauen aus dem Salzwedeler Tierpark.

Stefan Kamlah machte sich mit viel Elan, aber ohne Fachkenntnisse ans Werk. Dieses erlernte er im Laufe der Zeit. Mittlerweile weiß er genau, wie die Schweine ticken.

„Einzelne Tiere sind sehr scheu. Erst in der Herde werden sie zahm“, teilt der Ritzer seine Erfahrungen mit. „Diese Zahmheit geben die erwachsenen Schweine scheinbar an die Ferkel weiter.“

Anfangs musste er einen genetischen Grundstamm aufbauen. Mittlerweile gibt es auf dem ehemaligen Kasernengelände verschiedene Herden. Eine besteht aus so genannten Omega-Tieren, die jeweils die Schwächsten ihrer ursprünglichen Gruppen waren.

Denn Psychologie spielt bei Schweinen eine große Rolle. Wer sich nicht durchsetzt, geht oftmals schnell ein. Stefan Kamlah muss daher häufig die Tiere sortieren.

Aber jede Trennung hilft nicht immer. Wer sich auf dem Grundstück aufhält, wird mit großer Wahrscheinlichkeit einem Schwein begegnen.

Diese können gekauft werden. Ab 50 Euro, je nach Färbung und Alter, gibt es ein Tier. Aber am liebsten paarweise. Kamlahs Kunden kommen aus ganz Deutschland.

Seine Schweine können als Haustiere oder zum Kuscheln erworben werden, erklärt der 40-Jährige. Aber reine Wohnungstiere seien sie nicht. Um einzelne Exemplare ganz zahm zu machen, nimmt Stefan Kamlah sie mit in sein Haus.

Seit einigen Tagen wohnt Bettina Otto-Matthes in Ritze. Sie ist ebenfalls Züchterin (Spezialgebiet: Portugisische Wasserhunde) und war neugierig auf die Schweinezucht von Stefan Kamlah. Vorher lebte sie in Portugal und Brasilien.

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