Weil die Kramstraße gebaut wird, darf an der Radestraße nicht geparkt werden

Auf Krücken zum Auto: 20 Minuten werden zur Tortur

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Christa und Klaus Betge: Erst war nur die Straßenreinigung gestrichen – aber Knöllchen gabs trotzdem.

Salzwedel. Weil an der Salzwedeler Kramstraße gebaut wird, darf um die Ecke – an der Radestraße – nicht mehr geparkt werden. Doch die Zufahrt für die Baufahrzeuge reicht eigentlich von der Straßenbreite her aus. So jedenfalls sieht es Bauleiter Daniel Mindach.

„Wir benutzen ohnehin nur kleine Lkw. Bei der Anlieferung des Pflasters könnte es dann eng werden. Wir müssten über den Bürgersteig fahren“, schätzt Mindach ein. Doch das kann noch dauern. Ein Ende der Baumaßnahme ist vor dem Frühjahr kaum abzusehen.

Inzwischen ist an der Radestraße das Parken generell untersagt. Der Grund: Die Lenker von Privat-Pkw, die ihre Autos in die Sackgasse gesteuert haben, haben beim Rückwärtsrausfahren Karambolagen verursacht. Das generelle Parkverbot, das aber auch weiterhin kaum für voll genommen wird, ist für Klaus und Christa Betge ein Riesen-Problem. Denn beide sind schwerbeschädigt und wohnen an der Radestraße. Christa Betge ist jedes Mal auf Krücken unterwegs, um ihr Auto vom Parkplatz am Hagengraben zum Einkaufen zu holen. Der anstrengende Gang dauert 20 Minuten.

Auch sie und ihr Mann verstehen nicht, warum sie trotz der ausreichenden Straßenbreite nicht mehr vor ihrem Haus parken dürfen. Zumal Baufahrzeuge dort nur ganz, ganz selten vorbeikommen.

„Zwei Knöllchen habe ich schon bekommen“. ärgert sich Christa Betge. Das erste Ticket für 15 Euro gab es am 22. November. Da war das Parken noch nicht verboten, allerdings das Zusatzschild „Straßenreinigung Dienstag 8 bis 10 Uhr“ durchgestrichen, erinnert sich Christa Betge. Also hat sie an diesem Tag ihren Wagen stehenlassen und prompt ein Knöllchen kassiert. „Am nächsten Tag war das Parkschild dann auch durchgestrichen“, wundert sich die Anliegerin.

In der vergangenen Woche blieb dann eine Politesse so lange neben ihrem Auto stehen, bis sie es weggefahren hat, erinnert sich Christa Betge. Der Strafzettel, den sie bereits hinter der Scheibe hatte, wurde dann aber zurückgenommen.

Doch Betges geht es weniger um die Strafzettel als um die Gesamtsituation: Verständnis für den Bau haben sie. Aber Platz ist auch genug. Und: Mit seinen Behinderungen hat es das Ehepaar ohnehin nicht leicht. Und bei 20 Minuten An- wie Abmarschweg allein zum Auto – da wird das Einkaufen zur Tortur. Zumal dann noch die Aussicht besteht, dass sich die Situation bis zum Frühjahr nicht ändern wird. Im Ordnungsamt will man sich die Situation vor Ort noch einmal ansehen, versprach gestern Leiterin Christina Schramm.

Von Holger Benecke

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