Kreistag muss entscheiden / Pretzierer wirbt für Flüchtlingshilfe

Notunterkunft in Kollwitz-Halle geplant

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Janine Ewald und Lutz Spurgat (kl. Bild) hatten die Idee, mit dem Liedermacher Herbert Grönemeyer für die Aufnahme von Flüchtlingen zu werben. Martin Klahs (l.) und Lars-Christian Klaas (r.) haben dies an einer Giebelwand in Pretzier mit der Spraydose umgesetzt.

Pretzier / Salzwedel / Altmarkkreis. Der Pretzierer Lutz Spurgat hat den Giebel eines alten DDR-Schweinestalls neu gestalten lassen. Ein überdimensionaler Herbert Grönemeyer ziert die Wand.

Spurgat ist Fan des Sängers, will aber mit den Grönemeyer-Texten die Menschen zum Nachdenken bringen, wirbt für Völkerverständigung. „Wir leben mitten in einer neuen Völkerwanderung. Viele haben immer noch nicht begriffen, dass die Menschen, die zu uns kommen, vor Krieg und Terror geflohen sind. “ Geld sei genug da und deshalb müsse man „denen helfen, denen es wirklich dreckig geht“, unterstreicht er sein Engagement, blickt aber auch zugleich auf die Politiker, die die gesetzlichen Regelungen schaffen müssen.

Der Kreis will 60 Flüchtlinge in der Kollwitz-Turnhalle als Notunterkunft einquartieren. Dem Unterbringen von weiteren 200 im Schulhaus muss der Kreistag noch zustimmen.

Denn die derzeitigen Vorgaben machen den Kommunen schwer zu schaffen. Dezernent Matthias Baumann verhandelte gestern erneut in Sachen Käthe-Kollwitz-Schulhaus. Der Kreis will dort gern rund 200 Flüchtlinge unterbringen. Der private Eigentümer hat nichts dagegen. Er lässt das Gebäude bereits entkernen. Das habe jedoch nichts mit den Flüchtlingen zu tun, sagte er zur AZ. Er hat die Auflage, das Gebäude bis spätestens 2026 abzureißen. Das Entkernen ist eine Vorbereitung dafür. Wäre aber auch der erste Schritt für den Umbau zur Flüchtlingsunterkunft. Doch das muss der Kreistag erst beschließen. Und der tagt Ende September.

Doch: Gegenwärtig leben 493 Asylsuchende im Altmarkkreis. 95 Flüchtlinge sind für September avisiert. Unterkünfte für sie gibt es auf dem Salzwedeler Fuchsberg und an der Fabrikstraße (Wohnheim Verein für berufliche Bildung), in Gardelegen an der Bahnhofstraße und im so genannten Haus II der ehemaligen Kreisverwaltung sowie Wohnungen in Salzwedel, Pretzier, Kalbe und Mieste.

Die Kollwitz-Schule würde weitere 200 Plätze bringen, wenn der Kreistag zustimmt. Außerdem ist die die benachbarte Kollwitz-Turnhalle, die dem Kreis gehört und verkauft werden sollte, als Notunterkunft vorgesehen, sagte Kreissprecherin Birgit Eurich gestern. Weitere 60 Menschen könnten dort kurzfristig unterkommen.

Von Holger Benecke

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