Noch 350 Gruben in der Altmark benötigen ordnungsgemäße Entsorgung

Konsequentes Handeln bei allen Bohrschlammgruben

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Der sogenannte Silbersee in Brüchau gilt als schlimmster Umwelt-Schandfleck in der Altmark. Darüber hinaus gibt es noch 350 Bohrschlammgruben in der Region, die ordnungsgemäße Entsorgung benötigen. 

Winterfeld. Beim Treffen der BUND-Kreisgruppe stellte kürzlich der Vorsitzende Walter Jakel eine Resolution zum Thema Bohrschlammgruben in der Altmark vor.

Walter Jakel, Vorsitzender der BUND- Kreisgruppe. 

Darin fordert die Umweltorganisation deutlich Untersuchungen aller alten Bohrschlammgruben aus der Erdgasförderung in der Altmark. Die grundsätzlichen Forderungen werden in dem Schreiben klar benannt: Alle bisher nicht untersuchten Bohrschlammgruben sollten einer Gefährdungsabschätzung unterzogen werden. Beim Vorhandensein von Umweltgefahren seien diese Standorte zu sanieren. Die Flächeneigentümer der betroffenen Standorte seien über die Ergebnisse und das Vorhandensein einer Altlast zu informieren. Zusätzlich müsse eine Karte mit allen ehemaligen Bohrstellen veröffentlicht werden. Und schließlich erhofft sich der BUND von den politischen Gremien, insbesondere des Kreistages, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt gerecht zu werden.

Jakel erklärte: „Nach dem Bericht der Vertreter der Landesanstalt für Altlastenfreistellung sind von den insgesamt etwa 600 Bohrungen etwa 250 Gruben bisher entsorgt, sodass etwa 350 Bohrschlammgruben noch einer ordnungsgemäßen Entsorgung bedürfen. Dazu berichtete Jürgen Stadelmann als Geschäftsführer der Behörde, dass eine Entsorgung dieser restlichen Gruben nur erfolgt, wenn der Eigentümer der betreffenden Fläche dies anzeigt beziehungsweise fordert.“

Dass bislang nicht mehr Bewegung in dieser Angelegenheit gekommen ist, macht den BUND-Kreisvorsitzenden wütend. „Alle bisher nicht untersuchten Gruben sind eine Zumutung. Die betroffenen Standorte sind zu sanieren und die Altlasten zu entfernen“, fordert Jakel. Er untermauert die Forderungen: „Die älteste Grube ist mehr als 50 Jahre alt. Die Eigentümer müssen über die Möglichkeiten der Sanierung in Kenntnis gesetzt werden.“ Denn es werde nur etwas passieren, wenn die Besitzer wie beschrieben fordert.

Die gesamte Problematik beschäftigt die Altmark schon seit Längerem. Sinnbildlich für diese Umweltverachtung sei die Bohrschlammgrube in Brüchau, meinte Jakel. Hintergrund: Das mit Quecksilber verseuchte Gewässer wird verantwortlich für die Kontaminierung des örtlichen Trinkwassers und eine auffällige hohe Rate an Krebsfällen in der Bevölkerung.

Deutliche Kritik äußerte dazu auch Christfried Lenz. Er wirft den Behörden in diesem Zusammenhang unzureichende Messmethoden vor. „Es wird gesucht, wo nichts gefunden wird. So wurde bei einer Untersuchung nur der obere Grundwasserleiter berücksichtigt und nicht der untere, der viel stärker verunreinigt ist“, schimpft Lenz, der als Sprecher der Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark besonders viel Einsatz vor Ort gezeigt hat.

Von Stefan Wasinski

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