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Kommentar: Wenn Fußballer Politik spielen

 „Für meinen Präsidenten.“ Das schrieb Deutschlands Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan auf sein Vereinstrikot, das er dem türkischen Präsidenten Erdogan vor wenigen Tagen schenkte.

Stefan Schmidt

Gemeinsam mit Mit-Nationalspieler Mesut Özil – beide sind türkischer Abstammung, aber in Gelsenkirchen geboren – stellten sie sich medienwirksam neben jenen Politiker, der neben einem eher merkwürdigen Demokratie-Verständnis unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel Nazi-Methoden vorwirft und das heutige Deutschland mit dem „Dritten Reich“ gleichsetzt. Der Aufschrei ist seitdem entsprechend groß. Schmeißt beide raus aus der Nationalmannschaft, ist nicht selten zu hören. Die singen ja nicht mal die Nationalhymne. Was stimmt. Aber: Auch die Fußball-Weltmeister von 1974 und 1990 blieben bei der Hymne stumm. Was damals niemanden störte. Hauptsache, sie spielen erfolgreich Fußball.

Aber so ist das eben, wenn Sportler – speziell Fußballer – meinen, sich politisch äußern zu müssen: Es endet meist in Peinlichkeiten. Erinnert sei da an die unvergessen-bescheuerte Aussage des damaligen Nationalmannschafts-Kapitäns Berti Vogts nach der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Die Junta folterte und mordete gleich neben dem Endspiel-Stadion, Zehntausende verschwanden in den Kerkern. Und was sagt Vogts? „Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“ Was ja irgendwie logisch ist. Denn wer im Kerker sitzt, der läuft eher selten frei auf der Straße herum und trifft einen deutschen Fußball-Nationalspieler. Und die einstige Lichtgestalt Franz Beckenbauer blamierte sich angesichts der Kritik an menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen sowie Freiheitsberaubungen der Arbeiter auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar erst vor wenigen Jahren mit dem ähnlich dämlichen Satz „Ich habe in Katar keinen einzigen Sklaven gesehen.“

Fußballer und Politik, das passt nun mal nicht zusammen. Warum auch? Wer kickt, soll kicken. Seine politische Meinung, wenn er denn überhaupt eine hat, sollte er aber tunlichst für sich behalten. Sie geht die Öffentlichkeit nichts an. Und man mag angesichts von Güngogans und Özils Auftritt denken: Es wäre auch besser so.

Die deutschen Fußballfans können bei den nächsten Auftritten von Ilkay Gündogan und Mesut Özil ja selbst entscheiden, ob das noch „ihre“ Nationalspieler sind.

Von Stefan Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / Gregor Fische

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