"Von Woche zu Woche"

Kommentar: Für viele Fußballer ist es bequemer, unterklassig zu spielen

 „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Der frühere Bundestrainer Sepp Herberger hat diese Fußballer-Weisheit ins Bewusstsein gebracht, und sie lässt sich täglich anwenden. „König Fußball“ ist überall präsent, im Fernsehen, in den Zeitungen und den sozialen Medien.

Das enttäuschende Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland und der Fall Özil bestimmten zuletzt die Diskussionen. Auch die altmärkischen Fußball-Fans diskutierten kräftig mit. Darunter sind zum Glück auch immer mehr Frauen, die viel zur Sachlichkeit der Diskussionen beitragen.

Nun rücken wieder die Bundesligisten, aber auch die altmärkischen Mannschaften, deren Saisonstart in wenigen Tagen vollzogen wird, in den Mittelpunkt des Interesses. In der Region gibt es zahlreiche Fans und Fanclubs, die den 1. FC Magdeburg, Bayern München, den Hamburger SV, VfL Wolfsburg oder Borussia Dortmund aktiv unterstützen. Viele von ihnen sind regelmäßig live im Stadion dabei und stehen am gleichen Wochenende selbst auf dem Fußballplatz.

Aufgrund des medialen Interesses können sich auch die Fußballer der Region wie kleine Könige fühlen. Nach einem Foto in der Zeitung, der Berufung in die „Elf der Woche“ und einem Video, das schöne oder wichtige Tore zeigt, schwillt bei so manchem Hobbykicker die Brust. Viele Trainer beklagen diese Tendenzen, zumal das Leistungsniveau in den Spielklassen der Region nachgelassen hat. Mit Oberligist 1. FC Lok Stendal sowie den Landesligisten Havelwinkel Warnau, TuS Bismark und Aufsteiger SSV Gardelegen sind nur noch vier Teams der Altmark oberhalb der Landesklasse angesiedelt; für dieses Quartett geht es aller Voraussicht nach lediglich um den Klassenerhalt.

Das gesunkene Leistungsniveau ist auch die Folge von fehlendem Ehrgeiz, denn für den Erfolg richtig quälen wollen sich nur noch die Wenigsten. Mannschaften verzichten auf den Aufstieg, was aber auch daran liegt, dass zahlreiche Spieler außerhalb der Region arbeiten und leben. Darunter leidet das Training, somit auch die Leistung. Und so manches Team stellt sich mangels Alternativen von alleine auf. Wie soll da ein Trainer eine höhere Leistungsbereitschaft herauskitzeln?

Für viele Fußballer ist es bequemer, unterklassig zu spielen. Der Aufwand ist geringer, das mediale Interesse ist trotzdem hoch. Gute Fußballer mit Ehrgeiz sind selten, „Könige“ gibt es zahlreich. Und nach jedem Spieltag wieder neue.

Von Renee Sensenschmidt

Rubriklistenbild: © picture-alliance/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare